Mittwoch, 2. April 2025

22590-22599

got riuwe, daz des meres fluot

niht slant mich hiute in sînen giel,

dô mich der sældelôse kiel

von Kriechen truoc zuo dirre habe.

war umbe bin ich komen abe

des landes und der gülte mîn?

dur waz sol ich verweiset sîn

der manicvalten wirdikeit,

der wunder was an mich geleit

von küniclichem prîse?


[Es geht weiter mit der ChatGPT-Übersetzung:]


Möge Gott erbarmen haben,

dass die Flut des Meeres

mich heute nicht in ihren Schlund schlägt, [»verschlingt« wäre wohl besser]

als mich das unglückselige Schiff

von Griechenland hierher trug. 

Warum bin ich nur fortgegangen [»habe ich verloren« – hier fehlt ChatGPT möglicherweise Kontext]

aus meinem Land und von meinem Erbe?

Wofür soll ich nun verstoßen sein

aus der vielfältigen Herrlichkeit,

aus all den Wundern, die mir

königliches Ansehen gebracht haben? [eher nicht, ist aber auch schwer zu übersetzen: »… Herrlichkeit, mit der mich königlicher Ruhm und königliche Ehre umfassend ausgestattet haben?«]

Dienstag, 1. April 2025

22580-22589

wan si begunde weinen

und marterlîche sich gehaben.

ir herze in leide was begraben

unde in ungemüete gar.

si want ir hende liehtgevar

erbermeclichen unde sprach:

›owê mir hiute und iemer ach,

daz ich zer welt ie wart geborn!

ich armiu, wie hân ich verlorn

man unde kint, êr unde guot!


denn sie begann zu weinen 

und zeigte, dass sie Qualen litt. 


[Die Großen Sprachmodelle werden immer besser – das betrifft auch deren Fähigkeit, aus dem Mittelhochdeutschen zu übersetzen. Man kann sich deshalb durchaus fragen, ob sich der Aufwand noch lohnt, alles selbst zu machen. Die folgenden Verse wurden per ChatGPT übersetzt:]


Ihr Herz war im Leid begraben

und ganz von Kummer erfüllt.

Sie rang verzweifelt die Hände

und sprach klagend:

›Wehe mir heute und ach, für alle Zeit,

dass ich jemals auf diese Welt geboren wurde!

Ich Arme, wie habe ich verloren –

Mann und Kind, Ehre und Besitz!


[»Ihr Herz ertrank im Leid«, hätte ich übersetzt, das scheint mir im heutigen Deutsch direkter und verständlicher zu sein. Bei den Händen fehlt das »liehtgevar«; dass sie »klagend« spricht, steht so nicht im mittelhochdeutschen Text, macht inhaltlich aber durchaus Sinn. »Wehe mir« klingt in meinen Ohren altertümlich. Das »auf diese Welt« hätte ich wahrscheinlich weggelassen. »Ich Arme, wie habe ich verloren« ist zu nah am Mittelhochdeutschen. Besser wäre: »Ich Elende, warum habe ich (Mann und Kind, Ehre und Besitz) verloren?«]

Donnerstag, 13. März 2025

22570-22579

den bluomen aller frouwen.

Waz touc hie lange tegedinc?

Pârîs der hübsche jungelinc

ze Tenadôn hielt grôz gemach,

wan daz er strengez jâmer sach

an der küniginne rîch.

si tet benamen dem gelîch,

daz si betrüebet wære.

si kunde clagende swære

den gesten wol erscheinen,


zu sehen bekommen würden. 

Was soll man groß dazu sagen?

Paris, der höfische junge Mann,

hatte es in Tenadon sehr bequem und angenehm,

nur sah er, dass die mächtige Königin

in großem Leid versank.

Sie verhielt sich so wie jemand,

der traurig ist.

Sie präsentierte sich den reisenden Kriegern

klagend und freudlos, 

Mittwoch, 12. März 2025

22560-22569

daz er wære bî den tagen

mit êren kumen in daz lant

und daz er hôhen prîsant

mit im gevüeret hæte,

wan Helenâ diu stæte

diu kæme dâ mit im gezoget.

des mæres wart des landes voget

und alle die von Troie geil.

si dûhte gar ein hôhez heil,

daz si dâ solten schouwen


dass er soeben glücklich und ruhmreich

in das Land gekommen sei

und dass er ein edles Präsent

bei sich habe,

weil die untadelige Helena 

mit ihm ins Land komme.

Über diese Nachricht freuten sich 

der Landesherrscher und alle Trojaner.

Sie empfandes es als großes Glück,

dass sie dort die Blume aller edlen Frauen

Dienstag, 11. März 2025

22550-22559

und ruowen gerne wolten

nâch ir verte kumberlich.

die geste nider liezen sich

mit hôher wunne krefte.

in wart von wirtschefte

gebrâten wunder und gesoten.

Pârîs der sante sîne boten

geswinde gegen Troie dô

und hiez dem künige Prîamô

diu mære künden unde sagen,


und nach ihrer beschwerlichen Fahrt

gerne ausruhen wollten.

Die Fremden ließen es sich

dort gutgehen.

Ihre Gastgeber versorgten sie 

mit gekochtem und gebratenem Essen im Überfluss. 

Paris schickte dann auch  

seine Boten eilig nach Troja,

um dem König Priamus

die Neuigkeit zu berichten und zu verkünden, 

Montag, 10. März 2025

22540-22549

ein stat geheizen Tenadôn

lac vor in ûf der verte pfade,

dâ stiezen balde si ze stade

und îlten in daz kastel,

daz grüene, blâ, rôt unde gel

was von marmelsteine.

eht siben mîle cleine

lac diu stat von Troie,

dâ si mit grôzer joie

die naht belîben solten


Eine Stadt namens Tenadon

lag vor ihnen auf ihrem Reiseweg,

wo sie bald an Land gingen

und in das Schloss eilten,

das aus grünen, blauen, roten und gelben

Marmorsteinen bestand.

Nur sieben kurze Meilen von Troja

lag die Stadt entfernt,

wo sie mit großer Freude

über Nacht bleiben konnten


[Oder: »Nur gerade sieben Meilen«?]

Freitag, 7. März 2025

22530-22539

die clâren und die stæten,

dô wâren si mit île

des wâges manic mîle

gestrichen und geflozzen.

reht als ein pfîl geschozzen

kômens’ ûf ir strâze,

si wolten ûz der mâze

geswinde dannen gâhen,

dur daz Pârîs enpfâhen

begünde süezer minne lôn.


geraubt hatten,

da waren sie schon eilig

viele Meilen über das Meer

gefahren und gesegelt.

So wie ein geschossener Pfeil

kamen sie auf ihrem Weg voran;

sie wollten überaus

schnell davoneilen,

damit Paris 

süßen Liebeslohn bekommen könne.