Donnerstag, 2. Juli 2026

25210-25219

des wart von strîte mangem wê,

der nâch hôhem prîse warp

und jæmerlîche drumbe starp,

ê daz er kæme von dem stade.

sich huop dâ mortgrimmiger schade

und ein verlusteclicher val.

mer unde velt wart über al

verdecket und begriffen:

man kunde dâ vor schiffen

wâc unde wazzer niht gespehen,


Das brachte vielen Leid, die nach hohem Ansehen strebten und dabei jämmerlich starben, noch bevor sie das Ufer erreichten. Dort kam es nun zu einem schrecklichen, schadenbringendes Gemetzel und es begann ein verlustreiches Sterben. Meer und Felder wurden umfassend bedeckt und überzogen: Vor lauter Schiffen konnte man das Wasser nicht mehr sehen und

Mittwoch, 1. Juli 2026

25200-25209

Prîant der hôchgeborne man

und Hector sînes lîbes fruht

die zwêne brâhten mit genuht

ze velde ir wunneclichez her.

si wolten mit vil starker wer

die Kriechen irren der geschiht,

daz si ze lande möhten niht

geschalten und gestôzen.

mit langen und mit grôzen

rotten fuorens’ an den sê:


Der hochedle Priamus und Hektor, sein Sohn, die beiden führten ihr prächtiges Heer in seiner ganzen Fülle auf das Feld. Sie wollten mit starker Gegenwehr die Griechen vom Anlanden abhalten. Mit großen, sich weit erstreckenden Scharen zogen sie an das Meer. 

Dienstag, 30. Juni 2026

25190-25199

daz in ir vînde nâhen

begunden alsô drâte,

dô wurden si ze râte,

daz si zogten ûz der stift.

swær unde sûre hantgift

die wolten si den gesten geben

und in mit strîte widerstreben

als ellentrîche liute balt.

ir wâpencleider manicvalt

unde ir harnasch leitens’ an.


dass sich ihnen die Feinde so schnell näherten, da beschlossen sie gemeinsam, aus der Stadt zu ziehen. Sie wollten den Gästen ein beschwerliches und bitteres Geschenk machen und sich ihnen im Kampf entgegenstellen, so wie es tapfere, mutige Leute tun. Sie rüsteten sich und griffen zu ihren Waffen.   

Montag, 29. Juni 2026

25180-25189

der was sô vil, daz an ein buoch

geschriben würde kûme ir zal.

als ob daz ertrîch über al

erbibente unde erkrachte,

sus huop sich unde machte

von vanen ein geriusche grôz

und ein sô krefteclicher dôz,

daz den von Troie grûsen

wol mohte von ir sûsen. 

Nû daz die burger sâhen,


So viele waren es, dass man ihre Zahl gar nicht in ein Buch schreiben kann. So als würde das Erdreich überall krachen und erbeben, so erhob sich durch die Fahnen ein lautes Geräusch und ein derart kräftiges Getöse, dass es den Trojanern durch das Rauschen grauste. Als nun die Bürger sahen,  

Donnerstag, 25. Juni 2026

25170-25179

als man des mâles mohte spehen

ûf der Kriechen übervart.

der Swarzwalt und der Spehteshart

die tannen künden niht getragen,

die man ûf sach ze berge ragen

in den kielen über sich.

diu glanzen banier wunneclich

dan unde dar sich wurren;

ouch hôrte man dâ snurren

der manicvalten segele tuoch,


Im Schwarzwald und im Spessart wäre nicht genug Platz für die Tannen, die man in den Kielen wie Berge aufragen sah. Hier und da wickelten sich die glänzenden, wunderschönen Fahnen ineinander; und man hörte dort die vielen Segel rauschen.

Mittwoch, 24. Juni 2026

25160-25169

wan iegelicher hete sich

gezierde vil geflizzen.

hin gegen Troie glizzen

die segel und die schilte.

die burger des bevilte,

daz man dâ sach sô mangen kiel.

ir herze in ungemüete wiel

und wart ir fröude gar ein troum.

sô manic hôher mastboum

wart nie beschouwet noch gesehen,


den jeder hatte sich bemüht, prächtig geschmückt aufzutreten. Hin gen Troja leuchteten die Segel und die Schilde. Es bedrückte die Bürger, dass man dort so viele Schiffe sah. Sie waren aufgebracht und betrübt und ihre Freude entschwand in das Reich der Erinnerung. So viele hohe Schiffsmasten, wie sie damals bei der Überfahrt der Griechen sahen, hatte man noch nie gesehen. 

Dienstag, 23. Juni 2026

25150-25159

der vierde rœter dûhte

denne ein vrischiu rôse rôt,

vil gelwen schîn der fünfte bôt

und gap der sehste blâwen schîn.

si wâren alle pfellelîn

unde ûz sîden wol geweben.

man sach si fliegen unde sweben

ûf dem sê nâch rîchen siten.

der künge wâpen drîn gebriten

was mit golde wunneclich,


dort dann eines, dessen Röte eine frische rote Rose übertraf. Tief gelbe Segel gab es und blaue. Sie waren alle aus kostbarer Seide gewoben. Man sah sie auf dem Meer prächtig fliegen und schweben. Eingewoben mit schönem Gold waren die Wappen der Könige,