Dienstag, 7. April 2026

24650-24659

die branten si, daz hœre ich jehen,

an der kiuschen megde stete.

daz wunder diu götinne tete,

dur daz den künic milte

der buoze niht bevilte,

diu von ir ûf gesetzet wart.

die Kriechen ûf ir reise vart

dâ wurden alzehant bereit.

daz ungewiter wart geleit,

daz si gesûmet hete dô.


Die verbrannten sie, das hat man mir versichert, anstatt des sittsamen und tugendhaften Mädchens. Dieses Wunder wirkte die Göttin, damit der freigiebige König der Buße nicht entging, die von ihr festgesetzt worden war. Die Griechen machten sich dann bald zu ihrer Weiterreise bereit. Das Unwetter legte sich, durch das sie festgesetzt worden waren. 

Donnerstag, 2. April 2026

24640-24649

und ez behuoten alle wege.

Sus wart diu minneclîche erneret.

ir lîbes wâren die verheret,

die si verderbet solten hân.

der nebel von in wart getân,

der si verirret hæte.

dâ diu juncfrouwe stæte

was gestanden in daz holz,

dô wart ein blankiu hinde stolz

des mâles funden unde ersehen:


und ihn zu jeder Zeit beaufsichtigten. Auf diese Weise wurde die Liebenswerte gerettet. Ihr Körper ging denjenigen verloren, die sie hatten töten wollten. Der Nebel, der ihnen die Orientierung genommen hatte, wurde von ihnen genommen. Dort, wo das tugendsame Mädchen inmitten des Holzes gestanden war, dort fand sich dann eine schöne, prächtige Hirschkuh. 

Mittwoch, 1. April 2026

24630-24639

si nam die wol getânen

von grimmer nœte grûse.

in einem betehûse,

daz der götinne gordent was,

wart diu juncfrouwe, als ich ez las,

gewîhet z’einer priesterîn,

sô daz si drinne solte sîn

gewalteclîche in allen obe,

die dâ ze prîse und z’eime lobe

des tempels wielten mit ir pflege


Sie nahm die Schöne heraus aus der schrecklichen Situation. In einem Tempel, der der Göttin geweiht war, wurde das Mädchen, so habe ich es gelesen, zu einer Priesterin geweiht, sodass sie dort ihnen allen vorgesetzt sein sollte, die sich dort, der Ehre und des Lobes wegen, um den Tempel kümmerten  

Dienstag, 31. März 2026

24620-24629

dâ hin, dar si gefüeret was,

ein wolken unde ein nebel kam

sô trüebe und alsô tunkelsam,

daz ir die niht ensâhen,

von den si wolte enpfâhen

ein bitterlichez ende.

si wart dô von ir hende

enwec gezücket alzehant

und in Thesauricam daz lant

gefüeret von Dyânen.


Dorthin, wo wie geführt wurde, kam eine Wolke und ein Nebel, so trüb und dunkel, dass sie diejenigen nicht sehen konnten, die ihr ein bitteres Ende bereiten sollten. Daraufhin ergriff sie Diana mit ihren Händen und nahm sie sogleich hinweg in das Land Thesaurica.


[Thessalien?]

Montag, 30. März 2026

24610-24619

der glanzen küniginne tôt

für eines wilden tieres leben.

Dyâne diu begunde geben

ein miltez ende ir zorne,

dô sich der hôchgeborne

künic wolte neigen

und ir geruochte zeigen

die grôzen buozen manicvalt.

der kiuschen maget wol gestalt

half si zehant, daz si genas.


als Wiedergutmachung für das Leben eines wilden Tieres angeboten hatte. Diana entschied sich nun großzügig, ihren Zorn sein zu lassen, da der hochgeborene König bereit war, sich zu erniedrigen und ihr eine große Bußleistung zu erweisen. Dem reinen, unschuldigen, schönen Mädchen half sie sogleich, sodass sie am Leben blieb. 

Freitag, 27. März 2026

24600-24609

daz man die maget wunneclich

verderben solte ân alle schult.

si dûhte ein milteclich gedult

unde ein grôz demüetikeit,

daz der künic wart bereit

ûf den willlen und den muot,

daz er sîner tohter bluot

dâ wolte lân vergiezen.

er muoste des geniezen,

daz er ze bezzerunge bôt


dass man nämlich das schöne Mädchen ohne, dass sie schuldig sei, töten wollte. Es schien ihr, dass der König Bereitschaft zu generöser Duldsamkeit gezeigt habe, dass er sich demütig gezeigt habe und dass er bereit und willens war, dort das Blut seiner Tochter vergießen zu lassen. Er sollte davon profitieren, dass er den Tod der strahlenden Königin


Donnerstag, 26. März 2026

24590-24599

ê daz ir lîben an getân

würde ein grimmeclicher tôt.

nû daz man si mit grimmer nôt

hin für daz tempel brâhte,

dô si des tôdes âhte

solt âne schulde hân getragen,

dô wart diu marter ûf geslagen

der klâren küniginne.

Dyâne diu götinne

den schaden liez erbarmen sich,


selbst einen elenden Tod zu erleiden. Als man sie nun mit fürchterlichem Zwang hin zum Tempel gebracht hatte, wo sie unschuldig die Strafe des Todes ertragen sollte, da erfuhr die strahlende Königin von der fürchterlichen Tortur. Diana, die Göttin, hatte Erbarmen angesichts des schlimmen Verlusts,