Mittwoch, 29. April 2026

24800-24809

daz nam z’ein ander unde las

Prîant der künic ûz erwelt.

nû wirt von mir ein teil gezelt

der herren, die mit ritterschaft

ze helfe kâmen sîner craft.

Im brâhte zehen tûsent man

der rîche werde soldan

Sareht von babylônje;

der künic von Laucônje,

der Sarpedon geheizen was,


wurden von Priamus, dem auserwählten König, zusammengesammelt. Nun erzähle ich von einem Teil der Herren, die herbeikamen, um seine Macht mit ihren Rittern zu unterstützen. Zehntausend Mann brachte der mächtige, edle Sultan Sarecht aus Babylon. Der König von Laucohnje, der Sarpedon hieß,   

Dienstag, 28. April 2026

24790-24799

der vor hin übel unde guot

in sîme herzen ahtet.

er hete ir kunft betrahtet

unde ir reise bî der zît,

dâ von wart er ûf einen strît

gewarnet schiere und alzehant.

er hete künege vil besant

und rîcher fürsten lobesam.

swaz über allez Asiam

erwelter ritterschefte was,


Gutes und Böses vorausschauend in seinem Herzen erwägt. Er hatte ihre Ankunft vorausgesehen und auch ihre Fahrt, deshalb war er sogleich vor dem Krieg gewarnt. Er hatte nach vielen Königen gesandt und nach lobenswerten, mächtigen Fürsten. Alle, die sich in dem gesamten Asien als Ritter ausgezeichnet hatten,

Montag, 27. April 2026

24780-24789

sô bôt sîn vater dô ze wer

und wac ûf ein urliuge sich.

der werde künic lobelich

erkande wol der Kriechen sin.

daz si daz laster niemer hin

gar ungerochen liezen

daz seiten und gehiezen

im alle sîne witze.

ir strengen zornes hitze

entsaz er, als der wîse tuot,


kümmerte sich sein Vater um die Verteidigung und bereitete sich auf einen Krieg vor. Der edle, lobenswerte König hatte erkannt, was die Griechen vorhatten. Sein Verstand sagte und garantierte ihm, dass die Griechen für die Schande nie und nimmer auf Rache verzichten würden. Vor ihrem heftigen, hitzigen Zorn fürchtete er sich, wie es sich für jemanden gehört, der sich weise verhält und deshalb

Donnerstag, 23. April 2026

24770-24779

mâc unde friunt besenden

began der tugentrîche.

die bat er algelîche,

daz im ir stiure würde brâht.

gewarnet unde vor bedâht

wart er ze strîte in alle wîs.

und alzehant dô Pârîs

hete erworben Helenam

und er mit ir ze Troye kam

geschiffet ûf dem wilden mer,


Nach Verwandten und Freunden hatte der Tatkräftige gesandt. Sie alle hat er sogleich gebeten, dass sie ihm Hilfe brächten. Er war gewarnt vor dem bevorstehenden Kampf und hatte sich darauf vorbereitet. Schon gleich nachdem Paris Helena errungen hatte und er mit ihr über das ungestüme Meer nach Troja gekommen war,

Mittwoch, 22. April 2026

24760-24769

ir kunft in sorgen dô begruop

die burger und den künic hêr.

si liten angestlîchiu sêr

und heten alle ûf trûren pfliht;

doch wârens’ ungewarnet niht

beliben an den stunden.

ze fremden und ze kunden

hete künic Prîant

briev unde boten ûz gesant

dur helfe in allen enden.


Ihr Kommen begrub die Bürger und den hohen König unter einem Berg von Sorgen. Schmerz, Kummer und Trauer ergriff sie, doch immerhin waren sie frühzeitig gewarnt worden. Nach nah und fern, zu Freunden und Fremden, schickte König Priamus Schreiben und Boten, um Hilfe zu erbitten.

Dienstag, 21. April 2026

24750-24759

er sach die Kriechen schalten

mit kielen ûf daz wilde mer,

des wart von im daz starke her

schier und zehant vermeldet.

er hete sich geveldet

ze lande wert vil drâte,

reht als ein wint, der wâte,

ze Troye in einer kurzen stunt.

dô tet er dise reise kunt,

diu von den Kriechen sich erhuop.


Es sah die Griechen mit ihren Schiffen auf das ungestüme Meer hinausrudern und so wurde das große Heer schnell und gleich von ihm gemeldet. Er hatte sich in das edle Land begeben, in aller Schnelle, ganz wie der Wind, der weht, hin nach Troja, in kurzer Zeit. Dort verkündete er die Fahrt und den Aufbruch der Griechen.

Montag, 20. April 2026

24740-24749

sîn volc ist gar ze freidic

und alze missehelle.

ez machet z’eime spelle

die liuterlichen wârheit

und wirt ein lüge von im geseit

vür ein gewislich mære.

sîn rede sagebære

diu wahset unde mêret sich:

sus kan der liumet irreclich

hûs in den lüften halten.


Seine Leute sind ganz und gar treulos und überaus uneins. Sie machen Märchen aus der lauteren Wahrheit und erzählen Lügen statt belegter Nachrichten. Was sie zu sagen haben, das wächst, wird immer mehr und größer. Auf diese Weise kann das Gerücht ein Haus des Irrtums in den Lüften aufrechterhalten.