Montag, 16. März 2026

24510-24519

betrüebet sêre wart hie von,

daz man der rede im zuo gewuoc,

wan ez in dûhte swære gnuoc,

daz er die schœnen tohter sîn

gæb in des grimmen tôdes pîn

vür sich und alle sîne schar.

sîn lîp wart hôher wunne bar

und aller vröuden eine.

er hiez die maget reine

ungerne alsus verderben.


wurde durch diese Worte tief traurig, denn die Vorstellung, seine schöne Tochter dem grimmen Tod anheimzugeben, für sich und für alle seine Leute, war ihm ein Grauen. Alles an Lust und Freude verließ ihn – er wollte das reine Mädchen nicht auf diese Weise in den Tod schicken.  

Freitag, 13. März 2026

24500-24509

seht, herre, dâ gedenkent an
und helfet uns von hinnen,
dur daz wir dort beginnen
die vînde stœren unde ir lant.
ir mugent einen prîsant
hie gerne lâzen unde geben,
dur daz wir lœsen unser leben
und alle tûsentvalten hort
erstrîten unde erwerben dort.‹
Der künic Agamennon

Schaut, Herr, daran solltet ihr denken und uns von hier fort helfen, damit wir dann dort die Feinde und deren Land vernichten. Ihr könnt gut und gerne ein Geschenk hierlassen, damit wir unser Leben behalten und dort unfassbare Schätze erkämpfen und erobern.‹ Agamemnon, der König, 

Donnerstag, 12. März 2026

24490-24499

ez wart nie volc als ûz erwelt,

noch sô kürlich ritterschaft,

als iuwer hôhiu magencraft

z’ein ander hât gesamnet.

sol diu nû sîn verdamnet

und alle hie geligen tôt,

daz ist ein jæmerlîchiu nôt

und muoz ein trûren iemer wesen.

Troiære mügent wol genesen,

verderbent ir und iuwer man.


Noch nie gab es ein derart exzellentes Kriegsvolk und eine derart auserwählte Ritterschaft wie die, die eure edle Verwandtschaft versammelt hat. Wenn nun dieses Heer verdammt sein wird und alle hier sterben, dann wäre das ein schlimmes Elend und der Beginn unendlicher Trauer. Den Trojaner wird es gut ergehen, wenn ihr mit euren Männer zugrunde geht.  

Mittwoch, 11. März 2026

24480-24489

wan nie sô guotes niht enwart,

sô daz man trage erbermekeit.

swer milte in sîme herzen treit,

der überguldet alle tugent.

ein kint ir wol gewinnen mugent,

lânt ir die maget sterben.

muoz aber hie verderben

daz her und iuwer selbez leben,

wer sol iu danne widergeben

den lîp und alsô mangen helt?


weil es nichts besseres gibt als Barmherzigkeit. Wessen Herz voll von Freigiebigkeit ist, dessen Vorzüge und Tugenden werden mit Gold überzogen. Ihr könnt gut und gerne noch ein Kind bekommen, wenn ihr das Mädchen sterben lasst. Wenn aber hier das Heer und ihr selbst zu Tode kommt, wer wird euch dann euer Leben und so viele Kämpfer zurückgeben?

Dienstag, 10. März 2026

24470-24479

swie man die maget reine

z’eim opfer niht enbiutet.

ob iuwer herze triutet

lîp unde guot, liut unde lant,

sô lânt für einen prîsant

die tohter bringen unde geben.

ist, daz ir aller Kriechen leben

mit einem kinde lœsent,

ir blüement unde rœsent

mit sælden iuwer hôhen art:


wenn man das reine Mädchen nicht als Opfer darbringt. Wenn ihr Leib und Gut, Leute und Land von Herzen liebt, dann bringt die Tochter als Geschenk dar. Wenn ihr das Leben aller Griechen durch ein Kind rettet, dann schmückt ihr euer edles Geschlecht mit göttlichem Heil,

Montag, 9. März 2026

24460-24469

sît daz si dur iuch komen sîn

ze schedelichem valle,

sô muotent si des alle,

daz ir si leides machent vrî.

si sprechent, daz vil bezzer sî,

daz iuwer tohter süeze

aleine sterben müeze,

dann ir und allez iuwer her.

daz weter und daz wilde mer

verderbent uns gemeine,


da sie wegen euch so tief gefallen sind – und so möchten sie alle, dass ihr sie vom Leid befreit. Sie sagen, dass es weit besser sei, wenn einzig eure süße Tochter stürbe als ihr und euer gesamtes Heer. Die Unwetter und das wilde Meer werden uns alle zusammen umbringen, 

Freitag, 6. März 2026

24450-24459

ob wir niht balde büezen,

swaz ir ze schaden ist getân.

si wil ein opfer von uns hân

und sol daz iuwer tohter sîn.

niht anders mac diu künigîn

versüenen, wan der megede bluot.

herr unde künic wol gemuot,

nû heizent iu die Kriechen sagen,

daz ir geruochent von in jagen

ir angest unde ir hôhen pîn:


wenn wir nicht bald Buße tun für all den Schaden, der ihr widerfahren ist. Sie will von uns ein Opfer haben und dieses Opfer muss eure Tochter sein. Nichts anderes kann die Königin besänftigen als das Blut des Mädchens. Nun lassen euch, mein Herr und stolzer König, die Griechen bitten, dass ihr euch dazu entschließen möget, die Not und das große Leid von ihnen zu verjagen,