Mittwoch, 24. Juni 2026

25160-25169

wan iegelicher hete sich

gezierde vil geflizzen.

hin gegen Troie glizzen

die segel und die schilte.

die burger des bevilte,

daz man dâ sach sô mangen kiel.

ir herze in ungemüete wiel

und wart ir fröude gar ein troum.

sô manic hôher mastboum

wart nie beschouwet noch gesehen,


den jeder hatte sich bemüht, prächtig geschmückt aufzutreten. Hin gen Troja leuchteten die Segel und die Schilde. Es bedrückte die Bürger, dass man dort so viele Schiffe sah. Sie waren aufgebracht und betrübt und ihre Freude entschwand in das Reich der Erinnerung. So viele hohe Schiffsmasten, wie sie damals bei der Überfahrt der Griechen sahen, hatte man noch nie gesehen. 

Dienstag, 23. Juni 2026

25150-25159

der vierde rœter dûhte

denne ein vrischiu rôse rôt,

vil gelwen schîn der fünfte bôt

und gap der sehste blâwen schîn.

si wâren alle pfellelîn

unde ûz sîden wol geweben.

man sach si fliegen unde sweben

ûf dem sê nâch rîchen siten.

der künge wâpen drîn gebriten

was mit golde wunneclich,


dort dann eines, dessen Röte eine frische rote Rose übertraf. Tief gelbe Segel gab es und blaue. Sie waren alle aus kostbarer Seide gewoben. Man sah sie auf dem Meer prächtig fliegen und schweben. Eingewoben mit schönem Gold waren die Wappen der Könige,

Montag, 22. Juni 2026

25140-25149

dâ von sô wart ir huote

gar michel unde manger slaht.

mit kielen was daz mer bedaht

und sîn wîter umbegrif.

man sach niht anders danne schif

wol einer tageweide lanc.

ein segel swarz, der ander blanc

schein ûf dem tobenden wilden sê,

der dritte grüene alsam ein clê

vil wunneclîche erlûhte,


deshalb waren sie überaus achtsam und in jeder Hinsicht vorsichtig. Das Meer war weit und breit mit Schiffen bedeckt und im Umkreis von einer Tagesreise sah man nichts als Schiffe. Hier erstrahlte auf dem tobenden, wilden Meer ein schwarzes Segel, dort ein weißes, hier dann eines, das grün war wie Klee,   


Freitag, 19. Juni 2026

25130-25139

dar inne saz der schützen here

mit arembrusten und mit bogen,

die wâren von in ûf gezogen

mit handen und mit hôher craft.

ouch hete sich diu ritterschaft

gewâpent algemeine;

ir vorhte was niht cleine,

dô si wolten zuo dem stade.

dô muoste ergân der êrste schade

an liuten unde an guote,


Darin saßen hervorragende Schützen mit Armbrusten und Bogen, die sie eigenhändig und mit großer Kraft gespannt hatten. Auch hatte sich die gesamte Ritterschaft gerüstet. Ihre Furcht war groß, als sie zum Ufer wollten. Dort würde es dann zum ersten Verlust an Leuten und Besitz kommen; 

Donnerstag, 18. Juni 2026

25120-25129

und sam ein scharpfez wâfen sneit

zen orten und zen sîten.

dur vehten und dur strîten

fuoren si bereit alsô.

die kiele wâren alle dô

gewarnet, als in wol gezam.

hin ûf dem wâge freisam

bekâmen si geflozzen.

vil erker ûz geschozzen

wâren oben an der were,


der schneiden konnte wie eine scharfe Waffe, an den Seiten und an den Enden. So kamen sie dort an, bereit für Kampf und Krieg. Alle Schiffe waren vorbereitet, so wie es sich gehört. Auf dem gefährlichen Meer gelangten sie dorthin. Oben waren viele hoch aufragende Vorbauten, bereit zur Verteidigung. 

Mittwoch, 17. Juni 2026

25110-25119

wie si gestiezen an daz lant,

daz was ir angest aller meist.

si fuorten rîchen volleist,

der in ze strîte wol geviel.

man sach dâ mangen wîten kiel,

der harnasch unde liute dans.

eins iegelichen schiffes grans

was mit îsen wol beslagen,

von stahele het er einen kragen,

der beide lanc was unde breit


Dort an Land zu gehen, davor hatten sie die größte Furcht. Sie führten große Vorräte und prächtige Ausrüstung mit sich, die sie zum Kampf gebrauchen wollten. Man konnte da viele breite Schiffe sehen, die Rüstungen und Leute trugen. Jeder Bug der Schiffe war sorgfältig mit Eisen beschlagen und hatte einen langen und breiten Kragen aus Stahl,

Dienstag, 16. Juni 2026

25100-25109

die fremden leiden geste

man unde wîp ersluogen.

si fuorten unde truogen

ûz der stat vil grôzen hort.

und dô si jâmer unde mort

begiengen in dem kastel,

dô kêrtens’ ûf dem wâge snel

von dannen vil geswinde

daz wazzer und die winde

ze Troie brâhte si zehant.


Die leidbringenden fremden Gäste erschlugen Männer und Frauen – und große Schätze trugen sie aus der Stadt. Und nachdem sie mit Gemetzel Jammer über die befestigte Stadt gebracht hatten, machten sie sich über das Meer schnell aus dem Staub. Das Wasser und die Winde brachten sie zügig nach Troja.