Donnerstag, 5. Februar 2026

24280-24289

daz si niht mügen über mer

geschalten noch geschiffen.

ir müezen sîn begriffen

mit leide noch vil manic zît.

ir wænet alle, daz ir sît

beswæret von Neptûne,

der wol des meres lûne

erkennet und der wazzer site,

nein zwâre, friunt, daz ist niht mite,

sîn râche tuot iu niht gedon.


dass sie mit ihren Schiffen nicht über das Meer fahren können. Noch für längere Zeit müsst ihr in diesem leidvollen Zustand ausharren. Ihr alle denkt, dass ihr von Neptun gestraft werdet, der die Stimmungen des Meeres kennt und die Gewohnheiten des Wasser, doch nein, wahrlich, mein Freund, das stimmt gar nicht – es ist nicht seine Rache, die euch quält. 

Mittwoch, 4. Februar 2026

24270-24279

und im ze rehte seite,

wâ von den Kriechen wære

diz ungewiter swære

gewahsen ûf der erde.

des antwurt im der werde

got Apolle sâzehant.

er sprach: ›sît dû mich hâst gemant

sus tiure, sô tuon ich dir schîn,

wâ von den angestbæren pîn

die Kriechen lîden unde ir her,


und ihm den wahren Grund dafür nennen, dass den Griechen auf der Erde dieses schwere Unwetter entstanden sei. Darauf antwortete der angesehene Gott Apoll sogleich. Er sagte: »Da du mich so inständig angerufen hast, lasse ich dich wissen, weshalb die Griechen und ihr Heer diese schreckliche Notlage erleiden müssen,

Dienstag, 3. Februar 2026

24260-24269

sus gienc er dô geswinde

besunder ûz in allen.

an sîn gebet er vallen

begunde nider ûf diu knie.

gar flîzeclîche bat er die

göt unde ir hôhe stiure.

mit worten er vil tiure

beschwuor den got Apollen,

daz er geruochte ervollen

die bete sîn gereite


So gieng er dann eilig von ihnen allen weg. Als er allein war, kniete er nieder, um zu beten. Mit großem Eifer bat er die Götter um ihre edle Hilfe. Den Gott Apoll beschwor er inständig, er möge seine Bitte bald erfüllen

Montag, 2. Februar 2026

24250-24259

von ungewitere was in wê,

daz si dô truogen unde liten:

dâ von begunden si dô biten

gemeine den prophêten,

daz er an den planêten

und an dem himele sæhe,

wâ von diz dinc geschæhe,

daz si niht dannen möhten komen

und in ir vart wær ab genomen

von wazzer und von winde.


Durch die Unwetter hatten sie Leid und Kummer zu tragen und zu erleiden. Deshalb fingen sie alle an, den Propheten zu bitten, dass er die Planeten und den Himmel betrachte, um herauszufinden, was der Grund dafür sei, dass sie von dort, wo sie waren, nicht wegkommen konnten und ihnen ihre Ausfahrt durch Wasser und Wind verhindert werde.  

Freitag, 30. Januar 2026

24240-24249

doch wirt uns manicvaltic nôt

dâ vor niun jâr geschehende,

und swenne sich daz zehende

gevâhet an, sô werden wir

mit sturme sigehaft an ir.‹

Die Kriechen alle wâren dô

der lieben wîssagunge frô,

diu dâ geschach von Kalcase.

doch was in leit, daz ûf dem grase

und ûf den boumen lac der snê.


Allerdings werden wir viele Nöte und Bedrängnisse zu ertragen haben, während der neun Jahre, die wir vor der Stadt lagern werden, und wenn das dann vorüber ist, dann werden wir die Stadt im Sturm erobern.‹ Die Griechen waren alle froh über die erfreuliche Weissagung, die Kalcas kundgetan hatte, auch wenn sie darunter litten, dass auf dem Gras und auf den Bäumen Schnee lag. 

Donnerstag, 29. Januar 2026

24230-24239

daz lât mich wizzen unde spehen,

daz wir Troiæren an gesigen.

niun jâr diu müezen wir dâ ligen

vor der stat, des dunket mich.

daz wirt dar an bezeichenlich,

daz dirre grimme serpant

niun vogellîn alsus verslant

und daz si von im sîn verzert.

uns wirt diu schœne stat beschert,

daz weiz ich alse mînen tôt.


das zeigt mir und lässt mich wissen, dass wir die Trojaner besiegen werden. Neun Jahre werden wir vor der Stadt lagern müssen, wie mir scheint. Das erkennt man daran, dass diese niederträchtige Schlange neun Vögelchen verschlungen und verzehrt hat. Die schöne Stadt wird unser sein, das weiß ich, das ist so sicher wie mein Tod. 

Dienstag, 27. Januar 2026

24220-24229

niun vogellîn alsô verslant

und si vil gæhes hete gâz.

dâ von sprach er ân unerlâz:

›ir herren alle, wesent geil!

uns nâhet ein vil hôhez heil,

daz uns vil manic wunne birt,

wan Troie gar zerstœret wirt

von uns ân allez lougen.

diz wunder, daz mîn ougen

ûf disem velwen hânt gesehen,


neun Vögelchen mir nichts dir nichts verschlungen und blitzschnell gefressen hatte. Ohne groß zu zögern ergriff er das Wort: ›Meine Herren, seid froh und glücklich! Uns erwartet in naher Zukunft großes Heil, das uns große Freuden bringen wird, weil – das könnt ihr mir glauben – Troja durch uns ganz und gar zerstört werden wird. Dieses ungewöhnliche Ereignis, das ich mit eigenen Augen auf dieser Weide gesehen habe,