Mittwoch, 3. Juni 2026

25020-25029

er het in sîne stat genomen

von ritterschefte manger schar.

der eine der was komen dar

dur sînen küniclichen solt,

sô was der ander frouwen holt

und wolte bî den zîten

dur si nâch lobe strîten.

Ouch fuoren zuo dem rîche

des mâles eteslîche,

die den künic entsâzen


Er hatte in seine Stadt viele Ritterscharen aufgenommen. Während die einen gekommen waren, um als Ritter für Sold zu kämpfen, waren andere den Damen hold und wollten zu jener Zeit für das Lob dieser Damen kämpfen. Auch kamen zu dem Reich des Königs damals viele, die ihn fürchteten

Dienstag, 2. Juni 2026

25010-25019

man sach si zuo den landen

mit ir künege balde zogen;

si truogen starke hornbogen

und kunden alle schiezen.

ze Troie nider liezen

dis egebæren liute sich,

wan si der künic lobelich

gern unde willeclîche sach.

er schuof den allen guot gemach,

die zuo der veste wâren komen.


Man sah sie mit ihrem König mutig ins Land ziehen; sie trugen starke Bogen und alle von ihnen wussten damit umzugehen. In Troja ließen sich diese schrecklichen Krieger nieder, denn der lobenswerte König sah sie gern und nahm sie willig auf. Er nahm alle, die zur befestigten Stadt gekommen waren, gastfreundlich auf.

Montag, 1. Juni 2026

25000-25009

mit wunderlichem bilde

was ir frecher lîp behaft.

daz oberteil an ir geschaft

was gestellet als ein man,

und schein daz underteil dar an

vih oder tiere vil gelîch.

si wâren fremder forme rîch

sus unde sô geschaffen.

ir sprechen unde ir claffen

wart kûme dâ verstanden.


Ihre kühnen Körper waren von eigenartiger Gestalt. Der obere Teil ihres Körpers war geformt wie ein Mensch, und der untere Teil glich dem Vieh oder den wilden Tieren. Sie waren von vielerlei fremdartiger Gestalt, waren mal auf diese, mal auf jene Weise geschaffen. Was sie sagten und riefen konnte dort niemand verstehen.

Freitag, 29. Mai 2026

24990-2999

dâ was von liuten grôz genuht,

für wâr sult ir gelouben des.

ein künic hiez Epistroples,

der fuorte dar ein fremdez her.

ûz einer insel bî dem mer

kam er dâ hin beswærde vrî.

sîn rîche lac dem lande bî,

dâ niht wan frouwen inne sint.

er brâhte maniger muoter kint

gar seltsæn und gar wilde.


Dort war eine große Menge von Menschen, das könnt ihr mir glauben. Ein König namens Epistroples brachte aus der Ferne ein Heer dorthin. Er kam von einer Insel am Meer herbei, ganz ohne Kummer und Sorgen. Sein Reich war dem Land benachbart, in dem nichts als Damen leben. Er brachte viele Leute mit, die sehr seltsam und wild waren.

Donnerstag, 28. Mai 2026

24980-24989

von werken maniger hande list

was in der stat getihtet,

die stuonden ûf gerihtet

ze schedelichen würfen.

swes ieman sol bedürfen

ze strîteclichen sachen,

des hiez ein wunder machen

Prîant der künic stæte.

geboten mit geræte

wart den gesten manic zuht.


Technisch aufwändige Wurfgeschütze wurden in der Stadt errichtet, um mit ihren Würfen Schaden anzurichten. Alles, was jemand für kriegerische Zwecke benötigte, ließ Priamus in großer Menge herstellen. Was die notwendige Ausrüstung anbelangt, bewies man den Gästen, das man höflich und anständig war.

Mittwoch, 27. Mai 2026

24970-24979

geboten von prîande,

der hiez ir aller schône pflegen.

er hete sich dar ûf gewegen

mit flîze stille und offenbâr,

daz er spîse manic jâr

moht in der schœnen veste hân.

des wart in allen wol getân

mit rîcher handelunge,

die sîner samenunge

ze helfe stuonden bî der frist.


Er befahl, dass man sich um sie alle gut kümmere. Er hatte sich eifrig darum bemüht, offen und im Stillen, Nahrung für mehrere Jahre in die schöne Festung zu bekommen. Das kam ihnen allen zugute, die seiner Schar in dieser Zeit zu Hilfe kamen, weil sie aufwändig bewirtet und beherbergt wurden. 

Dienstag, 26. Mai 2026

24960-24969

doch was der Kriechen ritterschaft

wol zehenstunt sô manicvalt.

die geste biderb unde balt

herberge enpfiengen in der stat,

die Prîamus in lîhen bat

rîlîche und ûzer mâzen wol.

liut unde ritterschefte vol

die gazzen wurden und diu stift.

in wart vil edel hantgift

und êren manger hande


doch war die Ritterschaft der Griechen sicherlich zehnmal so zahlreich. Die tapferen und kühnen Ankömmlinge erhielten in der Stadt eine Herberge; und Priamus sorgte dafür, dass die Gäste großzügig und kostbar untergebracht wurden.  Die Gassen und Häuser wurden voll von Menschen und Rittern. Priamus machte ihnen viele aufwändige Geschenke und ehrte sie auf vielfältige Art und Weise.