Mittwoch, 11. Februar 2026

24320-24329

west ich, waz man ir tæte

ze buoze, daz würd ir getân.

ir sult mich, herre, wizzen lân,

waz man ir bezzerunge tuo,

dur daz uns ir genâde zuo

nû müeze sîgen unde ir trôst.

wie man ir zornes würde erlôst,

daz sol mich lêren iuwer kunst.‹

›ich sage dir, friunt, wie man ir gunst

erwirbet,‹ sprach Apolle dô.


Wenn ich wüsste, was man ihr als Bußleistung anbieten müsste, würde ich das ins Werk setzen. Sagt mir, Herr, welche Entschädigung wir zu erbingen haben, damit sie uns ihre Gnade schenkt und ihren Beistand. Eure Weisheit und Kenntnis möge mir erklären, wie man ihren Zorn besänftigen kann.‹ ›Ich sage dir, mein Freund, wie man ihre Gunst erwirbt‹, antwortete darauf Apoll.  

Dienstag, 10. Februar 2026

24310-24319

dâ man ir mit gejegde

ir hinden hât gevellet,

nâch der si jâmer stellet

und michel trûren üebet.

ir herze ist gar betrüebet

dur daz tier vil ûz erlesen:

daz süenet, wellent ir genesen!‹

Calcas der rede antwürte bôt.

er sprach: ›uns wære frides nôt

und einer suone stæte.


der ihr durch die Jagd entstanden ist, als man ihre Hirschkuh getötet hat, nach der sie sich in Jammer und Trauer verzehrt. Ihr Herz ist tiefbetrübt wegen des herausragenden Tieres. Das müsst ihr wiedergutmachen, wenn ihr wollt, dass es euch wohlergeht!‹ Calcas antwortet darauf und sagt: ›Wir brauchen Frieden und es ist für uns wichtig, den Streit gründlich beizulegen.

Montag, 9. Februar 2026

24300-24309

und wil iu nôt erzeigen,

dur daz sîn lîp verderbet ist.

ir müezent kumber manic frist

von der götinne dulden,

ob ir niht wellent hulden

iuch alle mit ir schiere.

in dirre waltriviere

vil nœte ir lîden müezent,

ist, daz ir niht enbüezent

der wunneclichen megde,


Sie will euch Mühe und Not bereiten, weil es nicht mehr lebt. Ihr werdet einige Zeit lang durch die Göttin leiden müssen, wenn ihr euch nicht gemeinsam und bald um ihr Wohlwollen bemüht. In diesem Waldgebiet werdet ihr viele Qualen erdulden müssen, wenn ihr gegenüber der schönen jungen Frau den Schaden nicht wiedergutmacht,

Freitag, 6. Februar 2026

24290-24299

der künic Agamemnon

schôz eine schœne hinden,

diu lât iu schaden vinden

und wirfet iuch in manic nôt.

ze sorgen bringet iuch ir tôt

mit grôzem ungewinne.

Dyâne diu götinne,

diu der jegerîe pfligt,

des tieres tôt vil hôhe wigt,

wan ez was ir eigen


Der König Agamemnon hat eine schöne Hirschkuh geschossen; sie ist es, die euch Schaden bringt und euch großer Not ausgesetzt hat. Ihr Tod bringt euch Sorgen und großen Verlust. Für Diana, der Göttin der Jagd, wiegt der Tod dieses Tieres schwer, weil es ihr Tier war.

Donnerstag, 5. Februar 2026

24280-24289

daz si niht mügen über mer

geschalten noch geschiffen.

ir müezen sîn begriffen

mit leide noch vil manic zît.

ir wænet alle, daz ir sît

beswæret von Neptûne,

der wol des meres lûne

erkennet und der wazzer site,

nein zwâre, friunt, daz ist niht mite,

sîn râche tuot iu niht gedon.


dass sie mit ihren Schiffen nicht über das Meer fahren können. Noch für längere Zeit müsst ihr in diesem leidvollen Zustand ausharren. Ihr alle denkt, dass ihr von Neptun gestraft werdet, der die Stimmungen des Meeres kennt und die Gewohnheiten des Wasser, doch nein, wahrlich, mein Freund, das stimmt gar nicht – es ist nicht seine Rache, die euch quält. 

Mittwoch, 4. Februar 2026

24270-24279

und im ze rehte seite,

wâ von den Kriechen wære

diz ungewiter swære

gewahsen ûf der erde.

des antwurt im der werde

got Apolle sâzehant.

er sprach: ›sît dû mich hâst gemant

sus tiure, sô tuon ich dir schîn,

wâ von den angestbæren pîn

die Kriechen lîden unde ir her,


und ihm den wahren Grund dafür nennen, dass den Griechen auf der Erde dieses schwere Unwetter entstanden sei. Darauf antwortete der angesehene Gott Apoll sogleich. Er sagte: »Da du mich so inständig angerufen hast, lasse ich dich wissen, weshalb die Griechen und ihr Heer diese schreckliche Notlage erleiden müssen,

Dienstag, 3. Februar 2026

24260-24269

sus gienc er dô geswinde

besunder ûz in allen.

an sîn gebet er vallen

begunde nider ûf diu knie.

gar flîzeclîche bat er die

göt unde ir hôhe stiure.

mit worten er vil tiure

beschwuor den got Apollen,

daz er geruochte ervollen

die bete sîn gereite


So gieng er dann eilig von ihnen allen weg. Als er allein war, kniete er nieder, um zu beten. Mit großem Eifer bat er die Götter um ihre edle Hilfe. Den Gott Apoll beschwor er inständig, er möge seine Bitte bald erfüllen