und allen wandelbæren sin.
swâ noch der apfel walzet hin,
er dræjet nâch dem stamme sîn:
daz wart bewæret unde schîn
an dem juncherren adellich.
swie vaste er dô gesellet sich
zuo den gebûren hæte,
sô was er doch vil stæte
an allen hövelichen siten.
sô vremde pfarren dicke striten
und allen wankelmütigen Verlockungen.
Wo auch immer der Apfel hinfällt,
er fällt nicht weit vom Stamm.
Das bewahrheitete und zeigte sich
an dem jungen, adligen Herren.
Wie sehr er sich auch in die Gemeinschaft der
Landleuten eingefügt hatte;
er war doch sets ausgezeichnet
in allen höfischen Lebensweisen.
Wenn es die Umstände erlaubten, stritten oft Kinder anderer Pfarrgemeinden
[In den Versen 633 und 634 steht eigentlich, dass der Apfel, wo auch immer er hinrollt, sich immer zu seinem Stamm dreht. Ich vermute einfach mal, dass sich das mit »unserem« Sprichwort übersetzen lässt... Die »gebûren« übersetze ich nicht mit »Bauern«, sondern mit »Landleuten«, weil ich davon ausgehe, dass der Begriff im Text nicht abwertend gemeint ist. Auch der Vers 640 ist nicht leicht zu übersetzen. Ich vermute, dass mit den »pfarren« Pfarrgemeinden gemeint sind. Ich habe überlegt (etwas verkürzend) mit »Gemeinden« zu übersetzen, habe mich dann aber doch für die Pfarrgemeinden entschieden.]
Mittwoch, 16. April 2014
Dienstag, 15. April 2014
621-630
und machten krieges parte:
jô was er ein griezwarte
und ein guot rihter under in.
wan swer den sic dô fuorte hin,
dem sazte er ûf sîn houbet
ein schapel wol geloubet,
dâ mite er in dô krônte
und im der tugende lônte,
daz er sô frumeclichen streit.
unrecht daz vlôch er unde meit
und Kampfparteien bildeten:
Ja, dann war er ein Aufseher
und für sie alle ein guter Richter.
Denn wer auch immer dort den Sieg errang,
dem setzte er auf seinen Kopf
einen mit Laub gewundenen Kranz,
mit dem er ihn dann krönte
und ihn damit für die Tüchtigkeit belohnte,
mit der er so redlich gekämpft hatte.
Er mied die Ungerechtigkeit und entzog sich ihr
jô was er ein griezwarte
und ein guot rihter under in.
wan swer den sic dô fuorte hin,
dem sazte er ûf sîn houbet
ein schapel wol geloubet,
dâ mite er in dô krônte
und im der tugende lônte,
daz er sô frumeclichen streit.
unrecht daz vlôch er unde meit
und Kampfparteien bildeten:
Ja, dann war er ein Aufseher
und für sie alle ein guter Richter.
Denn wer auch immer dort den Sieg errang,
dem setzte er auf seinen Kopf
einen mit Laub gewundenen Kranz,
mit dem er ihn dann krönte
und ihn damit für die Tüchtigkeit belohnte,
mit der er so redlich gekämpft hatte.
Er mied die Ungerechtigkeit und entzog sich ihr
Montag, 14. April 2014
611-620
und alliu diu gebærde sîn.
swenn er und ander hirtelîn,
diu sîne gesellen wâren,
ir spils begunden vâren,
sô tet er ie daz beste
und was sô tugentveste,
daz man in lopte denne.
si wâren eteswenne
mit strîte sament gemellich,
alsô daz si dô teilten sich
und sein ganzes Auftreten.
Wann auch immer er und andere junge Hirten,
die seine Gesellen waren,
anfingen, miteinander zu spielen,
so war er stets der Beste
und so beharrlich in seiner Tüchtigkeit,
dass man ihn dafür lobte.
Sie waren bisweilen alle zusammen
im Gerangel so ausgelassen,
dass sie sich dann aufteilten
swenn er und ander hirtelîn,
diu sîne gesellen wâren,
ir spils begunden vâren,
sô tet er ie daz beste
und was sô tugentveste,
daz man in lopte denne.
si wâren eteswenne
mit strîte sament gemellich,
alsô daz si dô teilten sich
und sein ganzes Auftreten.
Wann auch immer er und andere junge Hirten,
die seine Gesellen waren,
anfingen, miteinander zu spielen,
so war er stets der Beste
und so beharrlich in seiner Tüchtigkeit,
dass man ihn dafür lobte.
Sie waren bisweilen alle zusammen
im Gerangel so ausgelassen,
dass sie sich dann aufteilten
Freitag, 4. April 2014
601-610
und alle untugende von im jagen.
nû kam vil schiere zuo den tagen
der jungelinc schœn unde stolz,
daz er daz vihe treip ze holz
und ûf der grüenen heide velt.
ez wuohs vil rîcher tugende gelt
ûf sînes herzen acker.
er was rösch unde wacker
ûf allen hövelichen schimpf.
schœn unde guot was sîn gelimpf
und alle schlechten Eigenschaften von ihm fernzuhalten.
Nun kam der schöne und stolze Jüngling
bald in das Alter,
in dem er das Vieh in den Wald treiben sollte
und auf die grünen Wiesen der Heide.
Auf dem Acker seines Herzens
wuchsen die Erträge einer sehr großen Tüchtigkeit.
Er war frisch und wacker
bei allen höfischen Vergnügungen.
Schön und gut war sein Benehmen
nû kam vil schiere zuo den tagen
der jungelinc schœn unde stolz,
daz er daz vihe treip ze holz
und ûf der grüenen heide velt.
ez wuohs vil rîcher tugende gelt
ûf sînes herzen acker.
er was rösch unde wacker
ûf allen hövelichen schimpf.
schœn unde guot was sîn gelimpf
und alle schlechten Eigenschaften von ihm fernzuhalten.
Nun kam der schöne und stolze Jüngling
bald in das Alter,
in dem er das Vieh in den Wald treiben sollte
und auf die grünen Wiesen der Heide.
Auf dem Acker seines Herzens
wuchsen die Erträge einer sehr großen Tüchtigkeit.
Er war frisch und wacker
bei allen höfischen Vergnügungen.
Schön und gut war sein Benehmen
Donnerstag, 3. April 2014
591-600
für ein gewislich mære,
daz der hirte wære
ân allen schimpf der vater sîn;
ouch tet er im die triuwe schîn,
daz er ûf in solte hân
billîche vaterlichen wân.
Er zôch in schône und alsô wol,
als ein kint sîn vater sol
durch wâre schulde ziehen.
er kunde schande fliehen
ein unzweifelhafter Bericht zu sein,
demzufolge der Hirte
ohne allen Zweifel sein Vater sei;
auch erwies er ihm die Treue,
indem er ihn ganz zurecht
als seinen Vater ansah.
Er erzog in gut und so sorgsam
wie ein Kind von seinem Vater
aus wahrer Pflicht erzogen werden soll.
Er war in der Lage, aller Schande zu entgehen
daz der hirte wære
ân allen schimpf der vater sîn;
ouch tet er im die triuwe schîn,
daz er ûf in solte hân
billîche vaterlichen wân.
Er zôch in schône und alsô wol,
als ein kint sîn vater sol
durch wâre schulde ziehen.
er kunde schande fliehen
ein unzweifelhafter Bericht zu sein,
demzufolge der Hirte
ohne allen Zweifel sein Vater sei;
auch erwies er ihm die Treue,
indem er ihn ganz zurecht
als seinen Vater ansah.
Er erzog in gut und so sorgsam
wie ein Kind von seinem Vater
aus wahrer Pflicht erzogen werden soll.
Er war in der Lage, aller Schande zu entgehen
Mittwoch, 2. April 2014
581-590
und alsô volleclîche tugent,
daz edel knabe in sîner jugent
nie wart sô zühtic, noch sô wîs;
er bluote sam ein rôsenrîs
in manicvalter güete.
sîn herze und sîn gemüete
stuonden ûf gerihte starc,
daz er vil selten ie verbarc,
swâ man’z bewæren solte.
der süeze wænen wolte
und bedachte ihn mit so vollkommener Tugendhaftigkeit,
dass andere edle Knaben in ihrer Jugend
nie derart wohlerzogen und derat verständig waren.
Wie ein Rosenzweig blüte er
mit mannigfacher Vortrefflichkeit.
Sein Herz und sein Sinn
waren darauf gerichtet, das Rechte zu tun
und er gab sich keine Mühe, das zu verbergen,
wann immer es darauf ankam, dass man seine Gesinnung beweist.
Ihm, dem Bezaubernden, schien es
[Der Vers 582 bereitet mir Kopfzerbrechen. Fehlt ein Artikel (»daz der edel knabe«)? Das würde dann aber inhaltlich wenig Sinn machen. Man müsste wissen, was in den Handschriften steht... Bei den Versen 586-589 übersetze ich etwas ausführlicher, weil es mir nicht so recht gelingen mochte, die Kürze des Mittelhochdeutschen zu imitieren.]
daz edel knabe in sîner jugent
nie wart sô zühtic, noch sô wîs;
er bluote sam ein rôsenrîs
in manicvalter güete.
sîn herze und sîn gemüete
stuonden ûf gerihte starc,
daz er vil selten ie verbarc,
swâ man’z bewæren solte.
der süeze wænen wolte
und bedachte ihn mit so vollkommener Tugendhaftigkeit,
dass andere edle Knaben in ihrer Jugend
nie derart wohlerzogen und derat verständig waren.
Wie ein Rosenzweig blüte er
mit mannigfacher Vortrefflichkeit.
Sein Herz und sein Sinn
waren darauf gerichtet, das Rechte zu tun
und er gab sich keine Mühe, das zu verbergen,
wann immer es darauf ankam, dass man seine Gesinnung beweist.
Ihm, dem Bezaubernden, schien es
[Der Vers 582 bereitet mir Kopfzerbrechen. Fehlt ein Artikel (»daz der edel knabe«)? Das würde dann aber inhaltlich wenig Sinn machen. Man müsste wissen, was in den Handschriften steht... Bei den Versen 586-589 übersetze ich etwas ausführlicher, weil es mir nicht so recht gelingen mochte, die Kürze des Mittelhochdeutschen zu imitieren.]
Dienstag, 1. April 2014
571-580
der si bevalch ir selbes kint.
ir trûren wart vil gar ein wint
dur den hôchgebornen knaben:
si wolte in verre lieber haben
danne ir kint, daz si gebar.
si nam sîn vlîzeclîche war
mit süezer handelunge,
sô lange biz der junge
wart ein wol gewahsen kneht.
got leite ûf in der gnâden reht
der sie ihr eigenes Kind anvertraute.
Ihr Kummer darüber hielt sich –
wegen des edlen Knaben – in Grenzen.
Ihn wollte sie weitaus lieber haben
als ihr Kind, das sie geboren hatte.
Sie kümmerte sich eifrig um ihn
und behandelte ihn auf ganz reizende Art und Weise,
so lange, bis aus dem Kind
ein schön gewachsener Jüngling geworden war.
Got hatte ihn den Regeln seiner Gnade unterworfen
[Die Formulierung »der gnâden reht« ist schwer zu übersetzen. Mit dem Recht sind hier geregelte Verhältnisse gemeint und die göttliche Gnade markiert ein grundsätzliches göttliches Wohlwollen. Das Konzept ist recht komplex und deshalb schwer in eine prägnante neuhochdeutsche Formulierung zu packen.]
ir trûren wart vil gar ein wint
dur den hôchgebornen knaben:
si wolte in verre lieber haben
danne ir kint, daz si gebar.
si nam sîn vlîzeclîche war
mit süezer handelunge,
sô lange biz der junge
wart ein wol gewahsen kneht.
got leite ûf in der gnâden reht
der sie ihr eigenes Kind anvertraute.
Ihr Kummer darüber hielt sich –
wegen des edlen Knaben – in Grenzen.
Ihn wollte sie weitaus lieber haben
als ihr Kind, das sie geboren hatte.
Sie kümmerte sich eifrig um ihn
und behandelte ihn auf ganz reizende Art und Weise,
so lange, bis aus dem Kind
ein schön gewachsener Jüngling geworden war.
Got hatte ihn den Regeln seiner Gnade unterworfen
[Die Formulierung »der gnâden reht« ist schwer zu übersetzen. Mit dem Recht sind hier geregelte Verhältnisse gemeint und die göttliche Gnade markiert ein grundsätzliches göttliches Wohlwollen. Das Konzept ist recht komplex und deshalb schwer in eine prägnante neuhochdeutsche Formulierung zu packen.]
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