den ich doch vinde kûme.
z’eim endelôsen pflûme,
dar inne ein berc versünke wol,
gelîchen man diz mære sol,
des ich mit rede beginne.
wil ich den grunt dar inne
mit worten undergrîfen,
sô muoz ich balde slîfen
hie mîner zungen enker.
den ich doch kaum finde.
Als einen endlosen Strom,
worin wohl ein Berg versinken würde,
soll man diese Erzählung ansehen,
die ich redend beginne.
Wollte ich deren Grund
mit Worten erfassen,
so müsste ich nun bald
den Anker meiner Zunge nachschärfen.
[Ich übersetze »slîfen« (»schleifen«) mit »nachschärfen«, da mir diese Formulierung angesichts der heutigen Lebenswelt anschaulicher zu sein scheint.]
Dienstag, 11. Februar 2014
Montag, 10. Februar 2014
211-220
wan mir ist sanfte gnuoc dâ mite.
dâ von ich mînen alten site
ungerne wil vermîden:
ich muoz eht aber lîden
den kumber, des ich hân gewent.
mîn sin der spannet unde dent
dar ûf mit hôhem flîze,
daz ich vil tage verslîze
ob einem tiefen buoche,
dar inne ich boden suoche,
denn mir ist der Umgang damit sehr angenehm.
Deshalb will ich auf meine alte Gewohnheit
ungern verzichten:
Dann muss ich aber halt den
Kummer ertragen, an den ich mich gewöhnt habe.
Mein Verstand, der ist mit großem Fleiß
gespannt und angespannt,
so dass ich mich viele Tage
mit einem tiefsinnigen Buch verausgabe,
in dem ich festen Boden suche,
dâ von ich mînen alten site
ungerne wil vermîden:
ich muoz eht aber lîden
den kumber, des ich hân gewent.
mîn sin der spannet unde dent
dar ûf mit hôhem flîze,
daz ich vil tage verslîze
ob einem tiefen buoche,
dar inne ich boden suoche,
denn mir ist der Umgang damit sehr angenehm.
Deshalb will ich auf meine alte Gewohnheit
ungern verzichten:
Dann muss ich aber halt den
Kummer ertragen, an den ich mich gewöhnt habe.
Mein Verstand, der ist mit großem Fleiß
gespannt und angespannt,
so dass ich mich viele Tage
mit einem tiefsinnigen Buch verausgabe,
in dem ich festen Boden suche,
Freitag, 7. Februar 2014
201-210
dur daz er trûren stœret.
ob si dâ nieman hœret,
daz ist ir alsô mære,
als ob ieman dâ wære,
der si vernemen künde wol.
seht, alsô wil ich unde sol
dur daz niht lâzen mînen list,
daz ir sô rehte wênic ist,
die mîn getihte wol vernemen.
mîn kunst mir selben sol gezemen:
weil sie das Traurigsein zerstreut.
Wenn sie dann niemand hört,
ist ihr das ebenso recht
wie wenn jemand da wäre,
der sie aufmerksam hören könnte.
Seht: genau so will und brauche ich
nicht schon deshalb meine Kunst sein lassen,
weil es so wenige derjenigen gibt,
die meinem kunstvollen Erzählen aufmerksam zuhören.
Meine Kunst und Geschicklichkeit muss mir selbst gefallen:
ob si dâ nieman hœret,
daz ist ir alsô mære,
als ob ieman dâ wære,
der si vernemen künde wol.
seht, alsô wil ich unde sol
dur daz niht lâzen mînen list,
daz ir sô rehte wênic ist,
die mîn getihte wol vernemen.
mîn kunst mir selben sol gezemen:
weil sie das Traurigsein zerstreut.
Wenn sie dann niemand hört,
ist ihr das ebenso recht
wie wenn jemand da wäre,
der sie aufmerksam hören könnte.
Seht: genau so will und brauche ich
nicht schon deshalb meine Kunst sein lassen,
weil es so wenige derjenigen gibt,
die meinem kunstvollen Erzählen aufmerksam zuhören.
Meine Kunst und Geschicklichkeit muss mir selbst gefallen:
Donnerstag, 6. Februar 2014
191-200
mîn rede und mîner stimme schal.
ich tæte alsam diu nahtegal,
diu mit ir sanges dône
ir selben dicke schône
die langen stunde kürzet.
swenn über si gestürzet
wirt ein gezelt von loube,
sô wirt von ir daz toube
gevilde lûte erschellet.
ir dôn ir wol gevellet,
mein Erzählen und der Schall meiner Stimme klingen würde.
Ich würde es wie die Nachtigall machen,
die mit der Melodie ihres Sanges
sich selbst auf schöne Art und Weise
die langen Stunden verkürzt.
Wann auch immer über sie
eine Kappe aus Laub gestülpt wird,
dann wird von ihr das teilnahmslose Land
mit lautem Klang überzogen.
Gut gefällt ihr ihre Melodie,
[Bei der Übersetzung des »gezelt von loube« bin ich mir unsicher.]
ich tæte alsam diu nahtegal,
diu mit ir sanges dône
ir selben dicke schône
die langen stunde kürzet.
swenn über si gestürzet
wirt ein gezelt von loube,
sô wirt von ir daz toube
gevilde lûte erschellet.
ir dôn ir wol gevellet,
mein Erzählen und der Schall meiner Stimme klingen würde.
Ich würde es wie die Nachtigall machen,
die mit der Melodie ihres Sanges
sich selbst auf schöne Art und Weise
die langen Stunden verkürzt.
Wann auch immer über sie
eine Kappe aus Laub gestülpt wird,
dann wird von ihr das teilnahmslose Land
mit lautem Klang überzogen.
Gut gefällt ihr ihre Melodie,
[Bei der Übersetzung des »gezelt von loube« bin ich mir unsicher.]
Mittwoch, 5. Februar 2014
181-190
ir ambet niht verbieten.
ich wil und muoz mich nieten
getihtes als die wîle ich lebe:
ze lône und z’einer hôhen gebe
mir selben üebe ich mîne kunst.
dur waz verbære ich die vernunst,
diu dicke und ofte fröuwet mich?
ob nieman lepte mêr, denn ich,
doch seite ich unde sünge,
dur daz mir selben clünge
ihre Aufgabe nicht verbieten.
Ich will und muss mich, so lange ich lebe,
um kunstvolles Erzählen bemühen.
Mir selbst zum Lohn und als hohe Gabe
übe ich mein Kunstfertigkeit aus.
Weshalb sollte ich auf das, was ich kann, verzichten,
wenn es mich oft und öfters erfreut?
Selbst wenn niemand außer mir mehr am Leben wäre,
würde ich erzählen und singen,
so dass für mich selbst
[Ich übersetze »ambet« – also das »Amt« – mit »Aufgabe«, weil es sich im Mittelhochdeutschen um eine eingeführte Redeweise handelt (vgl. Wolfram von Eschenbach, »Parzival« (115,11): schildes ambet ist mîn art), die heute nicht mehr ohne Weiteres verständlich ist. Für das Hendiadyoin »dicke und ofte« setze ich »oft und öfters« – da ich kein passendes (und gängiges) Hendiadyoin im Neuhochdeutschen kenne. »vernunst« meint »Vernunft«, »Einsicht« und auch »Kenntnis«.]
ich wil und muoz mich nieten
getihtes als die wîle ich lebe:
ze lône und z’einer hôhen gebe
mir selben üebe ich mîne kunst.
dur waz verbære ich die vernunst,
diu dicke und ofte fröuwet mich?
ob nieman lepte mêr, denn ich,
doch seite ich unde sünge,
dur daz mir selben clünge
ihre Aufgabe nicht verbieten.
Ich will und muss mich, so lange ich lebe,
um kunstvolles Erzählen bemühen.
Mir selbst zum Lohn und als hohe Gabe
übe ich mein Kunstfertigkeit aus.
Weshalb sollte ich auf das, was ich kann, verzichten,
wenn es mich oft und öfters erfreut?
Selbst wenn niemand außer mir mehr am Leben wäre,
würde ich erzählen und singen,
so dass für mich selbst
[Ich übersetze »ambet« – also das »Amt« – mit »Aufgabe«, weil es sich im Mittelhochdeutschen um eine eingeführte Redeweise handelt (vgl. Wolfram von Eschenbach, »Parzival« (115,11): schildes ambet ist mîn art), die heute nicht mehr ohne Weiteres verständlich ist. Für das Hendiadyoin »dicke und ofte« setze ich »oft und öfters« – da ich kein passendes (und gängiges) Hendiadyoin im Neuhochdeutschen kenne. »vernunst« meint »Vernunft«, »Einsicht« und auch »Kenntnis«.]
Dienstag, 4. Februar 2014
171-180
der kan sich selben tœren:
man wil ungerne hœren
wol sprechen unde singen.
unfuoge diu kan dringen
vür aller zühte mâze.
dar umb ich doch niht lâze
min sprechen und mîn singen abe.
swie cleine ich drumbe lônes habe
von alten und von jungen,
doch mac ich mîner zungen
der kann sich selbst zum Narren machen:
ungern will man
gutes Erzählen und Singen hören.
Die Unanständigkeit kann sich
vor allen angemessenen Anstand drängen.
Doch deshalb lasse ich nicht
von meinem Erzählen und Singen ab.
Wie klein auch immer mein Lohn
von Alten und Jungen sei,
dennoch kann ich meiner Zunge
man wil ungerne hœren
wol sprechen unde singen.
unfuoge diu kan dringen
vür aller zühte mâze.
dar umb ich doch niht lâze
min sprechen und mîn singen abe.
swie cleine ich drumbe lônes habe
von alten und von jungen,
doch mac ich mîner zungen
der kann sich selbst zum Narren machen:
ungern will man
gutes Erzählen und Singen hören.
Die Unanständigkeit kann sich
vor allen angemessenen Anstand drängen.
Doch deshalb lasse ich nicht
von meinem Erzählen und Singen ab.
Wie klein auch immer mein Lohn
von Alten und Jungen sei,
dennoch kann ich meiner Zunge
Montag, 3. Februar 2014
161-170
und ein gar endelicher schîn.
sus kan ze hove manger sîn
sô vinster an dem muote
und an wîslicher huote
sô gar unmâzen tunkel,
daz als ein lieht karfunkel
ein fûler und ein bœser funt
in sînes trüeben herzen grunt
vür edele sprüche schînet.
swer sich ûf tihten pînet,
und ein ganz zuverlässiges Licht.
Ganz so kann es manche am Hof geben,
die so finster gesinnt sind
und hinsichtlich einer Betreuung durch die Klugheit
so ganz und gar unterbelichtet,
dass anstelle herrlicher Vorträge
im trüben Grund seines Herzens
ein fauler und schlechter Kunstgriff
wie ein leuchtender Karfunkelstein glänzt.
Jeder, der sich den Mühen des kunstvollen Erzählens unterzieht,
[Die mittelhochdeutsche. Syntax ist weit komplexer als die Syntax der Übersetzung; »tunkel« übersetze ich mit »unterbelichtet«, um das Sprachspiel ins Neuhochdeutsche zu retten.]
sus kan ze hove manger sîn
sô vinster an dem muote
und an wîslicher huote
sô gar unmâzen tunkel,
daz als ein lieht karfunkel
ein fûler und ein bœser funt
in sînes trüeben herzen grunt
vür edele sprüche schînet.
swer sich ûf tihten pînet,
und ein ganz zuverlässiges Licht.
Ganz so kann es manche am Hof geben,
die so finster gesinnt sind
und hinsichtlich einer Betreuung durch die Klugheit
so ganz und gar unterbelichtet,
dass anstelle herrlicher Vorträge
im trüben Grund seines Herzens
ein fauler und schlechter Kunstgriff
wie ein leuchtender Karfunkelstein glänzt.
Jeder, der sich den Mühen des kunstvollen Erzählens unterzieht,
[Die mittelhochdeutsche. Syntax ist weit komplexer als die Syntax der Übersetzung; »tunkel« übersetze ich mit »unterbelichtet«, um das Sprachspiel ins Neuhochdeutsche zu retten.]
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