Dienstag, 13. Januar 2026

24120-24129

daz von den schulden in geschach,

daz diu götinne hôchgeborn

ir hinden hete dô verlorn.

Sus lepten si tac unde naht.

von ungewiter maniger slaht

daz her wart umbegriffen.

in kielen unde in schiffen

nieman getorste dannen varn.

si lâgen stille mit ir scharn

und wâren sorgen rîche.


aus dem Grund, dass der edle Göttin dort ihre Hirschkuh genommen worden war. Auf diese Weise lebten sie die Tage und Nächte vor sich hin. Zahlreiche Ungewitter hielten das Heer im Griff und niemand wagte es, mit den Schiffen davonzufahren. Sie saßen mit allen ihren Scharen fest und wurden von Sorgen geplagt. 

Montag, 12. Januar 2026

24110-24119

ouch wart der sturmewint sô grôz

und alsô rehte grimmeclich,

daz nieman ûz dem walde sich

gebieten mohte zuo dem sê.

daz îs und der vil kalte snê

begunde si dâ müejen.

swie man die boume blüejen

doch sæhe bî den stunden,

si lâgen unde funden

sorg unde bitter ungemach,


Außerdem waren die Sturmwinde so mächtig und so schrecklich, dass niemand aus dem Wald zum Meer hin davongehen konnte. Eis und kalter Schnee setzten ihnen dort zu. Auch wenn die Bäume zu der Zeit gerade blühten, saßen sie fest und mussten Sorgen und bitteres Leid ertragen,

Freitag, 9. Januar 2026

24100-24109

alsus wart in ir vart genomen

unde ir reise für den tan.

ergiezen sich daz mer began

und wart als ungehiure,

daz man mit keiner stiure

geschiffen drûf getorste.

si muosten in dem vorste

belîben algemeine.

ir sorge was niht cleine,

wan daz mer sich vaste ergôz.


Auf diese Weise wurde ihre Fahrt verhindert und ihre Reise aus dem Wald hinaus. Das Meer begann zu toben und wurde derart unwirtlich, dass man es mit keinem Schiff wagen konnte, in See zu stechen. Sie alle mussten im Wald bleiben. Ihre Sorgen waren nicht zu verarchten, denn das Meer toste heftig.

Donnerstag, 8. Januar 2026

24090-24099

daz wazzer unde winde kalt

ir muosten undertænic sîn,

dô rach der tiere künigîn

Dyâne sich geswinde.

dem wazzer und dem winde

gebôt diu wunnebære,

daz si ze grimmer swære

die Kriechen bræhten unde ir her,

sô daz si niemer ûf daz mer

getorsten ûz dem walde komen.


über Wasser und kalte Winde zu herrschen, rächte sich Diana, die Königin der Tiere, sogleich. Dem Wasser und dem Wind befahl die Schöne, dass sie die Griechen und ihr Heer in höchste Not brächten, sodass sie keine Chance hätten, vom Wald aus auf das Meer zu kommen. 

Mittwoch, 7. Januar 2026

24080-24089

daz der vil starken winde sûs

ir dienen müeste drâte

und bî der zîte wâte

naht unde tac nâch ir gebote:

des wart si gêret von dem gote

schier unde willeclichen ouch.

wint, regen, nebel unde rouch

ir undertænic wurden gar.

nû diu götinne wunnevar

enpfangen hete den gewalt,


die starken Winde sogleich in ihren Dienst zu stellen, sodass sie Tag und Nacht nach ihrem Willen wehen würden. Auch damit wurde sie von dem Gott sogleich und bereitwillig geehrt. Wind, Regen, Nebel und Rauch wurden ihr ganz und gar unterstellt. Als nun die schöne Göttin die Macht bekommen hatte, 

Dienstag, 6. Januar 2026

24070-24079

daz er geruochte den gewalt

ir hende lîhen unde geben,

daz beide fliezen unde sweben

diu wazzer müesten alle

vil gar nâch ir gevalle

und nâch ir willen bî der zît.

der bete wart diu frouwe sît

von im gewert ân allen spot.

dar nâch bat si des weters got

vast unde sêre in sînem hûs,


die Macht in ihre Hände legen, dass alles Wasser so, wie es ihr gefalle und wie sie es gerade wolle, fließen oder schweben müsse. Gerne war er bereit, der Dame diese Bitte zu gewähren. Danach bat sie den Gott des Wetters in seinem Haus eindringlich und nachdrücklich darum, 

Montag, 5. Januar 2026

24060-24069

solt in ir hûse mangel hân

und ûf der waltriviere.

dô wolte si dô schiere

sich rechen an der Kriechen her.

ein got gewaltic in dem mer,

der Neptûne was genant,

vil tiure wart von ir gemant,

daz im ir schade wære leit.

si bat in dur sîn edelkeit

und dur sîn êre manicvalt,


in ihrem Haus und im Wald würde verzichten müssen. Deshalb wollte sie sich schleunigst am Heer der Griechen rächen. Einen gewaltigen Gott im Meer namens Neptun brachte sie mit eindringlichen Worten dazu, dass ihm ihr Schaden leidtat. Sie bat ihn, er möge wegen seines Adels und seines großen Ansehens