Montag, 31. Oktober 2016

6011-6020

Thêtis wart von der rede vrô.
diu minneclîche seite dô
gnâd unde danc Schŷrône;
si neic im dô ze lône
und îlte dannen wider hein.
ir sun, der gar liutsælic schein,
lie si belîben in dem hol;
dâ von wart sîn gepflegen wol
mit hôher meisterschefte dâ.
Schŷron tet im daz beste sâ,

Thetis war über diese Worte froh.
Sie, die Liebenswerte, zeigte sich Schyron
daraufhin verbunden und bedankte sich.
Anschließend lohnte sie es ihm mit einer Verbeugung
und beeilte sich dann, wieder nach Hause zu kommen.
Ihren Sohn, der einen sehr leutselig Eindruck machte,
ließ sie in der Höhle zurück.
Also kümmerte man sich dort um ihn
mit großer Kenner- und Meisterschaft. 
Schyron ließ ihm sogleich die beste Erziehung angedeihen,

Freitag, 28. Oktober 2016

6001-6010

geblüemet wol nâch êren.
Achillen sol ich lêren,
daz ir sîn iemer dankent mir;
wan ich vröuwe mich, daz ir
geruochet hânt ze komene her.
der werde got, her Jûpiter,
der iuwer vater ist für wâr,
der sî geprîset offenbâr
des heiles, daz diu lêre mîn
sol ziehen daz geslehte sîn.‹

seinem Rang entsprechend geschmückt.
Achill werde ich so erziehen,
dass ihr mir dafür ewig dankbar seid,
denn ich ich freue mich darüber, dass ihr
entschieden habt, hierher zu kommen.
Der verehrte Gott, Herr Jupiter,
der wahrlich euer Vater ist,
der sei für alle sicht- und hörbar gelobt,
wegen des Glücks, dass mit meiner Ausbildung
jemanden seines Geschlechts erzogen wird.‹

Donnerstag, 27. Oktober 2016

5991-6000

bevalch si dar in sîne gewalt.
mit süezen worten manicvalt
bat in diu frouwe sêre,
daz er mit sîner lêre
des knaben underwünde sich.
›entriuwen‹, sprach er, ›daz tuon ich,
vil hôchgeborniu vrouwe guot!
sît des geruochet iuwer muot,
daz ich zieh iuwer edele fruht,
sô wirt daz kint mit hôher zuht

übergab sie dort seiner Aufsicht und Führung.
Mit vielerlei süßen Worten
bat ihn die Dame inständig,
dass er sich mit seiner Erziehung
des Knaben annehme.
›Seid gewiss‹, sagte er, ›vornehme, überaus hochgeborene Dame,
dass ich das tun werde!
Da ihr entschieden habt,
dass ich eure edle Leibesfrucht unterweisen soll,
so wird das Kind mit ausgezeichneter Erziehung

[Ich übersetze »gewalt« mit einer Doppelformel, um das Bedeutungsspektrum abzubilden; ich werde aber das Gefühl nicht los, dass es eine einfachere Lösung gibt.]

Mittwoch, 26. Oktober 2016

5981-5990

ir süne enphulhen sîner hant.
si wurden in sîn hol gesant
dick und ze mangen zîten,
dur daz er si dâ strîten
und ander fuoge lêrte.
nû Thêtis z’im gekêrte
und für in was gegangen,
dô wart diu vrouwe enphangen
rîlîche von dem munde sîn.
ir hôchgebornez kindelîn

ihre Söhne in seine Obhut.
Sie wurden oft und zu verschiedenen Zeiten
in seine Höhle geschickt,
damit er ihnen dort das Kämpfen
und andere anständige Dinge beibringe.
Als nun Thetis zu ihm gereist
und bei ihm angelangt war,
da wurde die Dame von ihm
auf herrliche Weise mit Worten empfangen.
Ihr hochgeborenes Kindlein

Dienstag, 25. Oktober 2016

5971-5980

daz er wist übel unde guot.
bescheiden was sîn vrecher muot
ze hovelichen dingen.
rotten, harpfen, singen
und aller hande zabelspil,
daz kunde er unde treip sîn vil.
An im lac grôz behendekeit.
er was ûf alliu dinc bereit,
des man ze kurzewîle gert;
dâ von die rîchen künige wert

dass er Böses und Gutes zu unterscheiden wusste.
Bewandert war seine kühne Wesensart
in höfischen Dingen.
Mit der Rotte, der Harfe, dem Gesang
und mit allerlei Brettspielen,
damit wusste er umzugehen und er tat das oft.
Er verfügte über große Geschicklichkeit.
Für all die Dinge, mit denen man
sich die Zeit vertreibt, war er präpariert.
Deshalb gaben die mächtigen, angesehenen Könige

Montag, 24. Oktober 2016

5961-5970

als ich dâ vorne hân geseit,
doch was ein varwe dran geleit
noch swerzer, denne ein brûner zobel.
gebirge steic er unde tobel
reht als ein wilder steinboc.
ez wære flins, ez wære stoc,
dar über clam er hôhe enbor;
an im lac hinden unde vor
vil gar ein wunderlich geschaft,
und was er doch sô tugenthaft,

wie ich zuvor schon gesagt habe,
allerdings war er mit einer Farbe versehen,
die noch schwärzer war als ein brauner Zobel.
Gebirge erstieg und er durchwanderte Schluchten
ganz wie ein wilder Steinbock.
Sei es Stein, sei es Stock,
darüber stieg er hoch empor;
Er besaß hinten und vorne
eine ganz und gar sonderbare Gestalt,
war aber doch so vortrefflich,

Freitag, 21. Oktober 2016

5951-5960

was diu liderîne wât,
diu mit riemen sunder nât
zesamen stuont gebestet;
niht anders was gegestet
oberthalben dirre man,
der vil schône sich versan,
swie wunderlich sîn forme schine.
sîn underteil, ûf dem er hine
gienc über vels und über mos,
daz was gestellet als ein ros,

war die lederne Kleidung,
die mit Riemen, ohne Naht,
zusammengeschnürt war.
Genau so war dieser Mann
obenherum gekleidet;
Klug und ganz vernünftig war er,
auch wenn sein Körper eigenartig aussah.
Der untere Teil seines Körpers, mit dem er
sich über Stock und Stein fortbewegte,
das war wie bei einem Pferd geformt,