Montag, 10. November 2014

1841-1850

sül under uns der besten geben,
sô wir gesagen unser leben
und der hœhsten wirde ein teil.
er sol vernemen durch sîn heil,
waz an uns drîn von êren lige,
und diu dar under hie gesige,
diu neme den apfel ûz erkorn
von sîner hende ân allen zorn.‹
Nû daz der jungelinc gesach,
daz disiu rede niht geschach

der Besten unter uns geben soll,
wenn wir von unserem Leben
und von der höchsten Würde etwas erzählt haben.
Ihm zur Freude soll er hören,
welches Ansehen uns dreien zukommt.
Diejenige, die dabei hier den Sieg erringt,
die nehme ohne jeden Zorn
aus seiner Hand den auserwählten Apfel.‹
Als nun der junge Man sah,
dass diese Aussagen ihn

Freitag, 7. November 2014

1831-1840

wie swîgent ir sô stille!
ist ez niht iuwer wille,
daz er iuch alle drî verneme,
und der dar under wol gezeme
der apfel und der prîsant,
daz in diu habe von sîner hant
ân allen kriec und âne haz?‹
›ja,‹ sprâchen si, ›wir loben daz
gemeine und algelîche,
daz er den apfel rîche

Warum schweigt ihr so?
Wollt ihr denn nicht,
dass er euch alle drei vernehme
und dass diejenige von euch, die würdig ist,
den Apfel und das Geschenk,
aus seiner Hand bekomme –
ohne allen Streit und ohne Hass?‹
›Ja‹, sagten sie, ›wir sind
alle gemeinsam dafür,
dass er den herrlichen Apfel

Donnerstag, 6. November 2014

1821-1830

den liuten algemeine,
daz man dîn herze reine
sol iemer hôhe prîsen.
wilt dû von kriege wîsen
die frouwen, die des apfels gernt,
sô solt dû wizzen, daz si wernt
vil hôhes lobes dînen lîp.
dich êrent drumbe reiniu wîp
und aller werden göte schar.
wâ nû, ir frouwen, sprechent dar!

gegenüber allen Leuten,
so dass man dein reines Herz
für immer lobpreisen muss.
Willst Du die Damen, die den Apfel begehren,
vom Streiten abbringen,
dann musst du wissen, dass sie dich
mit sehr großem Lob auszeichnen.
Dich ehren darum die sittsamen Frauen
und die Schar aller edlen Götter.
Wie sieht es nun aus, ihr Damen, sagt an!

Mittwoch, 5. November 2014

1811-1820

swer ich dir einen tiuren eit,
daz ich dur die gerehtekeit,
der ein wunder an dir lît,
dich hân besant zer hôchgezît,
noch anders durch dekeiniu dinc.
dû bist ein wîser jungelinc,
daz weiz ich und erkenne wol.
swaz krieges ieman scheiden sol,
den kanst dû wol verslihten
und sô nâch rehte rihten

schwöre ich Dir einen hohen Eid,
dass ich dich wegen des Gerechtigkeitssinns,
den du in unglaublich hohem Maße besitzt,
zum Fest habe holen lassen
und nicht wegen irgendeiner anderen Sache.
Du bist ein weiser junger Mann,
das weiß ich und sehe ich genau.
Egal welchen Streit jemand lösen muss,
du kannst ihn gewiss schlichten
und auf diese Weise gerecht richten,

Dienstag, 4. November 2014

1801-1810

mit rehten und mit wâren zügen,
den künige niht gescheiden mügen,
noch vil manic wîser got?
diu rede ist wærlich iuwer spot
und mac wol sîn dur schimpf getân.
möht ich daz ê gewizzen hân,
so enwær ich niht bekomen her.‹
›nein, zwâre,‹ sprach her Jûpiter,
›ich wolte ungerne schimpfen dîn.
bî der vil hôhen sælde mîn

mit rechtmäßigen und zuverlässigen Zeugen,
den weder Könige beilegen können,
noch gar viele der weisen Götter?
Wahrlich, mit dieser Ansprache wollt ihr mich verspotten
und sie mag nur gehalten worden sein, um zu scherzen.
Hätte ich das früher gewusst,
so wäre ich nicht hierher gekommen.‹
›Aber nein,‹, sagte Herr Jupiter,
›überhaupt nicht wollte ich dich verspotten 
Bei all meinem Heil

Montag, 3. November 2014

1791-1800

wan ich der jâre bin ein knabe
und ich der witze niht enhabe,
daz ich gescheiden müge den strît,
der hie ze hove an dirre zît
ist umb den apfel schœne.
daz iuch frô Sælde krœne
vor allen hôhen wirten!
wer gæbe eim armen hirten
alsô bescheidenlichen sin,
daz er den kriec hie leite hin

bin ich doch im Knabenalter
und bin ich doch nicht verständig genug,
um in der Lage zu sein, diesen Streit zu schlichten,
der sich hier am Hof zu dieser Zeit
um den schönen Apfel begeben hat.
Die Herrin des Heils möge euch
als höchsten von allen bedeutenden Gastgebern krönen!
Wer gäbe einem armen Hirten
so klar und deutlich die Absicht,
dass er den Streit hier beilege

[Wie genau der Vers 1799 zu verstehen ist, ist mir nicht klar.]

Samstag, 1. November 2014

1781-1790

vür sich dô bî der stunde.
ûz einem wîsen munde
sprach bescheidenlichen er:
›herr unde got, her Jûpiter,
diz wære ein michel ungelimpf
und müeste sîn der liute schimpf,
daz ir ze hôhen sachen
mich nidern und mich swachen
kneht hie ziehen wolten.
niht spotten ir mîn solten,

in diesem Moment vor sich nieder.
Aus weisem Mund
sprach er umsichtig und klug:
›Herr Jupiter, Herr und Gott,
das wäre sehr unangemessen
und müsste Gegenstand des Spotts der Leute sein,
dass ihr mich gewöhnlichen und geringen Jungen
hier zu bedeutenden Angelegenheiten
heranziehen wollt.
Ihr solltet mich nicht verhöhnen,