der si niht solte ruochen,
und sprechent, der si suochen
beginne, daz si vliehe den:
daz ist ouch wâr, wan eteswen
begnâdet si dar under.
ez wære ein michel wunder,
ob si den allen würde holt,
die von ir minneclichen solt
unverdienet wellent hân.
ir site ist sô getân,
um die sie sich nicht kümmern sollte,
und ihr sagt, dass sie denjenigen flieht,
der damit beginnt, sie zu suchen; –
das ist auch wahr, aber irgendwen
davon beschenkt sie mit ihrer Gnade.
Es wäre ein großes Wunder,
wenn sie allen hold werden würde,
die, ohne es verdient zu haben,
von ihr liebevollen Lohn erhalten möchten.
Bei ihr ist es Sitte,
Donnerstag, 26. Februar 2015
Mittwoch, 25. Februar 2015
2411-2420
unschuldic zweiger dinge,
diu mir z'eim ungelinge
von iu sint gezogen für.
mit eigenlicher willekür
swachent ir mich âne reht.
der minne dinc ist alsô sleht
und an sælden vollebrâht,
und ir hânt mir des zuo gedâht,
daz minne, diu vil reine,
die liute dicke meine,
an zwei Dingen unschuldig,
die mir als Übel
von euch vorgehalten wurden.
Mit einer eigenartigen Einstellung
erniedrigt ihr mich, ohne dazu das Recht zu haben.
Die Gegenstände der Minne sind so geradlinig
und mit Heil ganz erfüllt,
und das habt ihr mir vorgehalten,
dass die Minne, die so rein ist,
oft auf die Leute einwirkt,
[»Ungelinge« meint laut Lexer »das mislingen, misgeschick, unglück«; an dieser Stelle scheint mir aber etwas wie »Übel« besser zu passen.]
diu mir z'eim ungelinge
von iu sint gezogen für.
mit eigenlicher willekür
swachent ir mich âne reht.
der minne dinc ist alsô sleht
und an sælden vollebrâht,
und ir hânt mir des zuo gedâht,
daz minne, diu vil reine,
die liute dicke meine,
an zwei Dingen unschuldig,
die mir als Übel
von euch vorgehalten wurden.
Mit einer eigenartigen Einstellung
erniedrigt ihr mich, ohne dazu das Recht zu haben.
Die Gegenstände der Minne sind so geradlinig
und mit Heil ganz erfüllt,
und das habt ihr mir vorgehalten,
dass die Minne, die so rein ist,
oft auf die Leute einwirkt,
[»Ungelinge« meint laut Lexer »das mislingen, misgeschick, unglück«; an dieser Stelle scheint mir aber etwas wie »Übel« besser zu passen.]
Dienstag, 24. Februar 2015
2401-2410
daz sîn wunneclicher schîn
mit der schœnen varwe sîn
kan liuhten für si beide.
sus wirt ouch liep bî leide
geminnet deste vaster,
daz kumber unde laster
an dem leide funden wirt
und daz liep dâ bî gebirt
êr unde fröude manicvalt.
hie wirt diu minne mit gewalt
als sein bezauberndes Leuchten
und seine schöne Farbe
sie beide überstrahlt.
So wird auch Freude beim Leid
umso mehr geliebt,
als Kummer und Demütigung
bei dem Leid gefunden wird
und Freude dabei auf vielfältige Weise
Ansehen und Glückseligkeit erzeugt.
Hierbei ist die Minne mit Macht
[Wie genau die Formulierung »mit gewalt« hier zu verstehen ist, wird mir nicht ganz klar.]
mit der schœnen varwe sîn
kan liuhten für si beide.
sus wirt ouch liep bî leide
geminnet deste vaster,
daz kumber unde laster
an dem leide funden wirt
und daz liep dâ bî gebirt
êr unde fröude manicvalt.
hie wirt diu minne mit gewalt
als sein bezauberndes Leuchten
und seine schöne Farbe
sie beide überstrahlt.
So wird auch Freude beim Leid
umso mehr geliebt,
als Kummer und Demütigung
bei dem Leid gefunden wird
und Freude dabei auf vielfältige Weise
Ansehen und Glückseligkeit erzeugt.
Hierbei ist die Minne mit Macht
[Wie genau die Formulierung »mit gewalt« hier zu verstehen ist, wird mir nicht ganz klar.]
Montag, 23. Februar 2015
2391-2400
daz man dâ bî treit ungemach.
swem nie von minne wê geschach,
dem wart nie von ir rehte wol.
ein leit man gerne lîden sol
durch manicvalter wunne kraft.
sorg unde reine trûtschaft
gezement wol ein ander bî:
jô machet kupfer unde blî,
daz golt den liuten ist sô wert;
wan sîn wirt deste baz gegert,
wenn man dabei Unannehmlichkeiten erträgt.
Jedem, der nie Leid durch Minne erfuhr,
erging es durch ihr nie wirklich gut.
Man muss ein Leid gerne erleiden,
um die Macht vielfältiger Wonne zu erfahren.
Sorge und ungetrübte Liebe
passen sehr gut zueinander –
es sind ja auch Kupfer und Blei,
die den Leuten das Gold so angenehm machen,
denn man begehrt es umso mehr,
swem nie von minne wê geschach,
dem wart nie von ir rehte wol.
ein leit man gerne lîden sol
durch manicvalter wunne kraft.
sorg unde reine trûtschaft
gezement wol ein ander bî:
jô machet kupfer unde blî,
daz golt den liuten ist sô wert;
wan sîn wirt deste baz gegert,
wenn man dabei Unannehmlichkeiten erträgt.
Jedem, der nie Leid durch Minne erfuhr,
erging es durch ihr nie wirklich gut.
Man muss ein Leid gerne erleiden,
um die Macht vielfältiger Wonne zu erfahren.
Sorge und ungetrübte Liebe
passen sehr gut zueinander –
es sind ja auch Kupfer und Blei,
die den Leuten das Gold so angenehm machen,
denn man begehrt es umso mehr,
Freitag, 13. Februar 2015
2381-2390
daz minne tougen als ein diep
leit künne mischen under liep,
daz ist ouch âne zwîvel wâr,
iedoch sô wirt ez âne vâr
und durch guot von ir getân.
si wil bî sorgen fröude hân
und liep bî leider sache,
dar umbe daz si mache
ein deste wunderlicher spil.
liep dunket deste lieber vil,
dass die Minne heimlich wie ein Dieb
Leid in die Freude mischt,
was auch zweifellos stimmt,
allerdings tut sie es nicht mit bösem Willen,
sondern mit guten Absichten.
Sie will bei Sorgen Fröhlichkeit haben
und Freude bei betrüblichen Dingen,
um auf diese Weise ein
umso außergewöhnlicheres Spiel zu veranstalten.
Freude scheint einem umso größer,
leit künne mischen under liep,
daz ist ouch âne zwîvel wâr,
iedoch sô wirt ez âne vâr
und durch guot von ir getân.
si wil bî sorgen fröude hân
und liep bî leider sache,
dar umbe daz si mache
ein deste wunderlicher spil.
liep dunket deste lieber vil,
dass die Minne heimlich wie ein Dieb
Leid in die Freude mischt,
was auch zweifellos stimmt,
allerdings tut sie es nicht mit bösem Willen,
sondern mit guten Absichten.
Sie will bei Sorgen Fröhlichkeit haben
und Freude bei betrüblichen Dingen,
um auf diese Weise ein
umso außergewöhnlicheres Spiel zu veranstalten.
Freude scheint einem umso größer,
2371-2380
der vellet lîhte in arebeit.
wie mac si denne sîniu leit
erwenden mit ir stiure?
swaz bitterlicher siure
wirt funden an ir ende,
die leit mit sîner hende
ein veigez ungelücke dran:
dâ vor nieman gehüeten kan,
noch beschirmen lange sich.
ir hânt gesprochen wider mich,
der landet leicht in Mühsal und Leid.
Wie soll sie denn sein Leid
durch ihr Gabe abwenden?
Welche saure Bitternis auch immer
bei ihr gefunden wird,
die legt mit seiner Hand
ein unseliges Unglück dort hin.
Davor kann sich niemand bewahren
oder lange schützen.
Ihr habt an mich gerichtet gesagt,
[»stiure« gebe ich mit »Gabe« wieder, was allerdings nicht das ganze Bedeutungsspektrum abdeckt. Wie genau man »an ir ende« zu verstehen (und dann auch: zu übersetzen) hat, ist mir nicht klar.]
wie mac si denne sîniu leit
erwenden mit ir stiure?
swaz bitterlicher siure
wirt funden an ir ende,
die leit mit sîner hende
ein veigez ungelücke dran:
dâ vor nieman gehüeten kan,
noch beschirmen lange sich.
ir hânt gesprochen wider mich,
der landet leicht in Mühsal und Leid.
Wie soll sie denn sein Leid
durch ihr Gabe abwenden?
Welche saure Bitternis auch immer
bei ihr gefunden wird,
die legt mit seiner Hand
ein unseliges Unglück dort hin.
Davor kann sich niemand bewahren
oder lange schützen.
Ihr habt an mich gerichtet gesagt,
[»stiure« gebe ich mit »Gabe« wieder, was allerdings nicht das ganze Bedeutungsspektrum abdeckt. Wie genau man »an ir ende« zu verstehen (und dann auch: zu übersetzen) hat, ist mir nicht klar.]
Mittwoch, 11. Februar 2015
2361-2370
lützel ieman sich bewarn.
waz mac diu minne, ob ir daz garn
des ungelückes wirt geleit?
unheiles netze ist alze breit,
daz gnuogen wirt gestellet.
ob einer dar în vellet,
der herzelicher liebe pfligt
und er dar inne tôt geligt,
dâ wirt diu minne unschuldic an.
dem si vil hôher wunne gan,
vor Unglück schützen.
Was vermag die Minne, wenn ihr der Faden
des Unglücks den Weg vorgibt?
Das Netz des Unglücks ist so groß,
dass es für viele aufgestellt ist.
Wenn einer dort hinein fällt,
der von Herzen liebt,
und er darin zu Tode kommt –
daran ist die Minne nicht schuld.
Demjenigen, dem sie große Lust und Freude gönnt,
[Wie man das »wirt geleit« genau zu verstehen und zu übersetzen hätte, ist mir nicht klar.]
waz mac diu minne, ob ir daz garn
des ungelückes wirt geleit?
unheiles netze ist alze breit,
daz gnuogen wirt gestellet.
ob einer dar în vellet,
der herzelicher liebe pfligt
und er dar inne tôt geligt,
dâ wirt diu minne unschuldic an.
dem si vil hôher wunne gan,
vor Unglück schützen.
Was vermag die Minne, wenn ihr der Faden
des Unglücks den Weg vorgibt?
Das Netz des Unglücks ist so groß,
dass es für viele aufgestellt ist.
Wenn einer dort hinein fällt,
der von Herzen liebt,
und er darin zu Tode kommt –
daran ist die Minne nicht schuld.
Demjenigen, dem sie große Lust und Freude gönnt,
[Wie man das »wirt geleit« genau zu verstehen und zu übersetzen hätte, ist mir nicht klar.]
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