Mittwoch, 14. April 2021

14620-14629

der Wunsch der het an si geleit

vür alle megde sînen vlîz.

ir wandel und ir itewîz

die wâren alze cleine.

Pallas diu was ein feine,

der hôchgezît man dâ begie.

diu selbe wart sô lûter nie,

noch sô clâr, noch alsô vîn,

sô dise erweltiu künigîn

an herzen und an lîbe schein.


Die Vollkommenheit hatte sich ihrer 

mehr als aller anderen jungen Frauen angenommen.

Bei ihr gab es keine 

Untreue und nichts zu tadeln.

Pallas, das war eine Fee,

deren Fest man dort feierte.

Gegenüber dieser auserwählten Königin,

die mit Herz und Leib glänzte, 

war diese Fee nie derart rein

noch derart makellos noch derart schön.

Dienstag, 13. April 2021

14610-14619

als einen mânen vollekomen,

der für alle sternen glanz

sîn lieht durchliuhtic unde ganz

kan breiten unde mêren.

nâch vollenclichen êren

ir iegelîchiu lûter was,

doch schein ir aller spiegelglas

diu reine wandels vrîe.

si was Dêîdamîe

genennet, als ich hân geseit.


so wie ein voller Mond,

der sein Licht kraftvoll und alles durchstrahlend

über den Glanz aller Sterne

ausbreiten und entfalten kann.

Jede von ihnen war rein

und makellos und lobenswert in jeder Hinsicht;

doch strahlte die eine, gänzlich untadelige,

als spiegelten sich in ihr alle anderen.

Sie hieß, ich habe es schon gesagt,

Deidamie.

Montag, 12. April 2021

14600-14609

daz was ir flîzes bürde.

Si wâren alle wunnevar,

wan daz ir eine ir aller schar

mit ir clârheite mahte blint,

diu was ein maget und ein kint

sô schœner und sô reiner art,

daz nie sô schœnes niht enwart

noch sô reines nie gesehen.

man sach si liuhten und enprehen

vür alle ir swester ûz genomen


das war der Anlass und die Herausforderung ihrer emsigen Tätigkeit.

Sie alle boten einen wunderbaren Anblick,

allerdings gab es eine, die die ganze Gruppe

mit ihrem Glanz überstrahlte.

Diese war ein Kind, eine Jungfrau,

von so schönem und makellosem Wesen,

dass weder so etwas Schönes

noch etwas derart Makelloses je erblickt wurde.

Man sah sie hervorleuchten und unter all 

ihren außerordentlichen Schwestern hervorstrahlen,

Donnerstag, 8. April 2021

14590-14599

ir iegelîchiu dûhte

sô rehte lûterbære,

daz si gewesen wære

mit êren ein götinne.

die glanzen küniginne

brâchen vîol unde clê.

ir hende wîz alsam ein snê

die pflâgen der unmüezikeit.

daz wol geblüemet und becleit

daz tempel von in würde,


Jede von ihnen 

machte einen so makellosen und reinen Eindruck,

dass sie eine hochangesehene

Göttin hätte abgeben können.

Die strahlenden Königinnen

pflügten Veilchen und Klee. 

Ihr Hände, weiß wie Schnee,

waren sehr beschäftigt.

Den Tempel würdevoll

mit Blumen zu zieren und einzukleiden,

Mittwoch, 7. April 2021

14580-14589

si brâchen liehter bluomen vil

und glanzer rôsen wunneclich,

dâ mite si den esterich

des tempels wolten zieren.

man wolte festivieren,

dâ von wâren si gemeit.

si truogen alle rîchiu cleit

von mangerleie purper an,

der von ir lîben schône bran

und wunneclîche erlûhte.


Sie pflückten viele leuchtende Blumen

und wunderschön glänzende Rosen,

um damit den Boden

des Tempels zu schmücken.

Festivitäten waren angesagt

und dem fieberten sie freudig entgegen.  

Sie alle trugen prächtige Kleidung

aus kostbaren Seidenstoffen,

durch die sie wie Feuer glühten

und wunderschön erstrahlten.

Dienstag, 6. April 2021

14570-14579

gezieret wol in widerstrît

kam der liehten megde schar

dur eine wisen wunnevar

gegangen vil gemeine.

mit golde und mit gesteine

sô wâren si gegestet.

als ein gestirne glestet,

sus kâmens’ alle glîzende

und sich gemeine flîzende

ûf maniger hande wunne spil.


Es kam die Schar der strahlenden Jungfrauen

– eine schöner geschmückt als die andere –

und gemeinsam gingen sie 

durch eine wunderschöne Wiese.

Mit Gold und Edelsteinen

waren sie geschmückt.

So wie ein Gestirn glänzt und strahlt,

so kamen sie alle leuchtend daher

und beschäftigten sich gemeinsam

mit vielerlei liebreizendem Scherz und Spiel. 

Donnerstag, 1. April 2021

14560-14569

man brâhte ir unde holte

dar in daz tempel wol erkant

vil mangen schœnen prîsant

und opfers ein vil michel teil.

wîp unde man die wâren geil

dar inne dô mit schalle.

des künges tohter alle,

der ich gedâht hie vorne hân,

die sach man ouch von hûse gân

hin zuo dem tempel bî der zît.


Man gab und brachte ihr

in den weithin bekannten Tempel

zahlreiche schöne Geschenke

und Opfergaben in großer Menge.

Hörbar war die Freude der 

Männer und Frauen im Tempel.

Auch konnte man alle Töchter des Königs,

die ich vorhin schon erwähnt habe,

sehen, wie sie in diesem Moment von zuhause 

hin zum Tempel gingen.