und ûf mîn êre küniclich.‹
›trût herre, sô vernement mich,‹
sprach der hirte dô zehant,
›lânt werden hie vür mich besant
den wirt, der hînaht mich enthielt
und der bescheidenheite wielt,
daz er mîn tugentlichen pflac.
sît er mit vride reden mac
und iuwer hulde haben sol,
sô bewær ich mit im wol
und mit meinem königlichen Ansehen.‹
›Lieber Herr, dann hört mir zu‹,
sagte der Hirte gleich darauf,
›Lasst für mich den Wirt herholen,
bei dem ich heute Nacht einquartiert war
und der über das Pflichtgefühl verfügte,
sich untadelig um mich zu kümmern.
Da er die Freiheit hat, zu reden,
und euer Wohlwollen behalten wird,
so beweise und bezeuge ich mit ihm gewiss
Dienstag, 31. Mai 2016
Montag, 30. Mai 2016
5121-5130
het endelîche erfunden.
den künic bî den stunden
diz mære dûhte wunderlich.
er sprach: ›wer des bewîset mich,
daz Pârîs von mir ist geborn,
hât er verdienet mînen zorn,
ich lâze in stæte hulde hân;
swaz er mir leides hât getân,
daz sol im gar vergeben sîn.
daz nim ich ûf die triuwe mîn
schlussendlich entdeckt habe.
Seinerzeit schien dem König
diese Neuigkeit merkwürdig zu sein.
Er sagte: ›Wer mir beweisen kann,
dass Paris mein Sohn ist,
für den behalte ich mein beständiges Wohlwollen,
auch wenn er meinen Zorn verdient hätte.
Welches Leid auch immer er mir angetan hat,
dass ist ihm ganz und gar vergeben.
Dafür stehe ich mit meiner Treue
den künic bî den stunden
diz mære dûhte wunderlich.
er sprach: ›wer des bewîset mich,
daz Pârîs von mir ist geborn,
hât er verdienet mînen zorn,
ich lâze in stæte hulde hân;
swaz er mir leides hât getân,
daz sol im gar vergeben sîn.
daz nim ich ûf die triuwe mîn
schlussendlich entdeckt habe.
Seinerzeit schien dem König
diese Neuigkeit merkwürdig zu sein.
Er sagte: ›Wer mir beweisen kann,
dass Paris mein Sohn ist,
für den behalte ich mein beständiges Wohlwollen,
auch wenn er meinen Zorn verdient hätte.
Welches Leid auch immer er mir angetan hat,
dass ist ihm ganz und gar vergeben.
Dafür stehe ich mit meiner Treue
Freitag, 20. Mai 2016
5111-5120
fuort er in sunder twâle
und seite im zuo dem mâle,
daz er gesprochen hæte,
wie Pârîs, der stæte,
sîn sun von adele wære,
ob er die wâren mære
von im vernemen wolte,
daz er den lâzen solte
vrid unde stæte hulde haben,
der die wârheit umb den knaben,
führte er ihn ohne zu zögern
und sagte ihm sogleich,
dass er erzählt habe,
wie der redliche und treue Paris
sein Sohn sei und von edlem Stand und
dass er, wenn er die wahre Geschichte
von ihm hören wolle,
ihm Sicherheit und beständiges Wohlwollen
gewähren müsse, ihm,
der die Wahrheit über den Jungen
und seite im zuo dem mâle,
daz er gesprochen hæte,
wie Pârîs, der stæte,
sîn sun von adele wære,
ob er die wâren mære
von im vernemen wolte,
daz er den lâzen solte
vrid unde stæte hulde haben,
der die wârheit umb den knaben,
führte er ihn ohne zu zögern
und sagte ihm sogleich,
dass er erzählt habe,
wie der redliche und treue Paris
sein Sohn sei und von edlem Stand und
dass er, wenn er die wahre Geschichte
von ihm hören wolle,
ihm Sicherheit und beständiges Wohlwollen
gewähren müsse, ihm,
der die Wahrheit über den Jungen
Donnerstag, 19. Mai 2016
5101-5110
umb daz leben hie geschiht,
daz in der künic verderbet niht,
sô wirt diu lûter wârheit
ân allen valsch von im geseit.‹
Hector wart von der rede vrô.
swert unde buggelære dô
warf er nider in den rinc.
der hôchgeborne jungelinc
den hirten bî der hende nam.
vür sînen vater lobesam
sein Leben garantiert wird,
so dass ihm der König kein Leid geschehen lässt,
dann wird nichts als die Wahrheit
ohne jede Lüge von ihm gesagt.‹
Hector freute sich über das Gesagte.
Schwert und Schild warf er daraufhin
auf dem Kampfplatz zu Boden.
Der junge Mann von hoher Geburt
nahm den Hirten bei der Hand.
Vor seinen rühmenswerten Vater
daz in der künic verderbet niht,
sô wirt diu lûter wârheit
ân allen valsch von im geseit.‹
Hector wart von der rede vrô.
swert unde buggelære dô
warf er nider in den rinc.
der hôchgeborne jungelinc
den hirten bî der hende nam.
vür sînen vater lobesam
sein Leben garantiert wird,
so dass ihm der König kein Leid geschehen lässt,
dann wird nichts als die Wahrheit
ohne jede Lüge von ihm gesagt.‹
Hector freute sich über das Gesagte.
Schwert und Schild warf er daraufhin
auf dem Kampfplatz zu Boden.
Der junge Mann von hoher Geburt
nahm den Hirten bei der Hand.
Vor seinen rühmenswerten Vater
Mittwoch, 18. Mai 2016
5091-5100
entsliezen Prîamô daz dinc,
wie Pârîs, der jungelinc,
sîn êlich sun geheizen müge.
hie wirt bewæret âne trüge
und in einer kurzen vrist,
daz er sîn kint von adel ist.
wie man den hulde haben lât,
der von ende die getât
und die rehten sache weiz,
ob im sô sicherlich geheiz
die Sache dem Priamus zu enthüllen,
warum Paris, der junge Mann,
sein ehelicher Sohn heißen darf.
Hier wird bewiesen, ohne Betrügereien,
und innerhalb kurzer Zeit,
dass er sein Kind ist, edlen Standes.
Sobald man sich demjenigen gewogen zeigt,
der um das Geschehene und
die exakten Vorgänge voll und ganz Bescheid weiß,
wenn ihm dann verlässlich
wie Pârîs, der jungelinc,
sîn êlich sun geheizen müge.
hie wirt bewæret âne trüge
und in einer kurzen vrist,
daz er sîn kint von adel ist.
wie man den hulde haben lât,
der von ende die getât
und die rehten sache weiz,
ob im sô sicherlich geheiz
die Sache dem Priamus zu enthüllen,
warum Paris, der junge Mann,
sein ehelicher Sohn heißen darf.
Hier wird bewiesen, ohne Betrügereien,
und innerhalb kurzer Zeit,
dass er sein Kind ist, edlen Standes.
Sobald man sich demjenigen gewogen zeigt,
der um das Geschehene und
die exakten Vorgänge voll und ganz Bescheid weiß,
wenn ihm dann verlässlich
Dienstag, 17. Mai 2016
5081-5090
dar zuo bedarf man ziuge wol.‹
›herr, ich beziuge, wenne ich sol,
daz mîniu wort sint ungelogen.
Pârîs, den ich dâ hân erzogen,
der ist des edelen künges barn.
ob dû die wârheit wilt ervarn
umb den hôchgebornen knaben,
Hector, sô lâ den fride haben,
der mîn geziuc hie werden sol.
hilf im, daz er getürre wol
Zeugen braucht.‹
›Herr, ich bezeuge, wenn ich muss,
dass das, was ich gesagt habe, nicht gelogen ist.
Paris, den ich fernab von hier großgezogen habe,
der ist das Kind des ehrbaren Königs.
Wenn Du die Wahrheit über den
hochgeborenen Knaben erfahren möchtest,
Hector, dann gewähre dem den Frieden,
der hier mein Zeuge sein wird.
Hilf ihm, dass er sich gern traut,
›herr, ich beziuge, wenne ich sol,
daz mîniu wort sint ungelogen.
Pârîs, den ich dâ hân erzogen,
der ist des edelen künges barn.
ob dû die wârheit wilt ervarn
umb den hôchgebornen knaben,
Hector, sô lâ den fride haben,
der mîn geziuc hie werden sol.
hilf im, daz er getürre wol
Zeugen braucht.‹
›Herr, ich bezeuge, wenn ich muss,
dass das, was ich gesagt habe, nicht gelogen ist.
Paris, den ich fernab von hier großgezogen habe,
der ist das Kind des ehrbaren Königs.
Wenn Du die Wahrheit über den
hochgeborenen Knaben erfahren möchtest,
Hector, dann gewähre dem den Frieden,
der hier mein Zeuge sein wird.
Hilf ihm, dass er sich gern traut,
Sonntag, 15. Mai 2016
Neue Ausgabe
Konrad von Würzburg: ›Trojanerkrieg‹ und die anonym überlieferte Fortsetzung. Hrsg. v. Heinz Thoelen und Bianca Häberlein. (Wissensliteratur im Mittelalter 51) Wiesbaden 2015.
Vor kurzem ist eine neue Ausgabe des ›Trojanerkriegs‹ erschienen, die in Zukunft die im Jahr 1858 erschienene Ausgabe Adelbert von Kellers ersetzen wird. Ich habe mir – recht willkürlich – vier Passagen von jeweils dreißig Versen ausgewählt, um die beiden Ausgaben zu vergleichen.
Innerhalb der ersten dreißig Verse kann ich keine signifkanten Unterschiede erkennen. Das »wolfeile« statt »wol veile« (27) steht und <f> statt <v> gesetzt wird, ist im Rahmen einer Normalisierung eine legitime Entscheidung der Herausgeber. In den Versen 541-570 fällt abgesehen von divergierenden Normalisierungsentscheidungen der Vers 541 auf. Keller schreibt »und den lebetagen sîn«, während es in der neuen Ausgabe »und den lebetage sîn« heißt. Das entspricht dem Lemma in Lexers Handwörterbuch (»lëbe-tac, lëbe-tage«); der Lesartenapparat indes zeigt, dass die Textzeugen Adac »leb(e)tagen« haben (wobei ich nicht verstehe, warum an dieser Stelle zwei Mal die Handschrift d angeführt wird). Wegen dieses Handschriftenbefunds würde ich auch bei dieser Stelle nicht von einer signifikanten Abweichung sprechen. In den Versen 2271-2300 kann ich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede entdecken. Spannender wird es in der letzten Textpassage (Verse 4371-4400). Im Vers 4397 nämlich steht bei Keller »tougenlichen«; in der neuen Ausgabe allerdings »tugentlîchen«. Das ist nun tatsächlich eine inhaltlich relevante Differenz, denn es macht einen Unterschied, ob die Göttin Venus »unauffällig« (wie ich übersetzt habe) oder gar »heimlich« irgendwo sitzt – oder aber »tugendhaft«, »edel«, »anmutig« oder ähnliches. Beim Blick in den Handschriftenapparat sieht man, dass die Handschrift d »tugenliche« hat; alle anderen vollständigen Handschriften haben »tougenlichen«. Die Herausgeber haben sich also allem Anschein nach entschieden, der Handschrit d zu folgen und zudem noch ein <t> ergänzt, um die Stelle eindeutig zu machen. Notwendig scheint mir eine solche Konjektur allerdings nicht zu sein, schließlich ist »tugenliche« zu nahe an der übrigen Überlieferung, die sich eindeutig für die Heimlichkeit oder Unauffälligkeit entscheidet.
Natürlich lässt sich anhand dieser vier kurzen Textpassagen kein Urteil über die Gesamtausgabe treffen. Außerdem muss ich schon aus Gründen des Urheberrechts beid er älteren Ausgabe bleiben. Auf jeden Fall gibt es nun (endlich) die Möglichkeit, sich einen sicheren Überblick über die handschriftliche Überlieferung zu verschaffen; allein dies ist schon sehr viel wert.
Vor kurzem ist eine neue Ausgabe des ›Trojanerkriegs‹ erschienen, die in Zukunft die im Jahr 1858 erschienene Ausgabe Adelbert von Kellers ersetzen wird. Ich habe mir – recht willkürlich – vier Passagen von jeweils dreißig Versen ausgewählt, um die beiden Ausgaben zu vergleichen.
Innerhalb der ersten dreißig Verse kann ich keine signifkanten Unterschiede erkennen. Das »wolfeile« statt »wol veile« (27) steht und <f> statt <v> gesetzt wird, ist im Rahmen einer Normalisierung eine legitime Entscheidung der Herausgeber. In den Versen 541-570 fällt abgesehen von divergierenden Normalisierungsentscheidungen der Vers 541 auf. Keller schreibt »und den lebetagen sîn«, während es in der neuen Ausgabe »und den lebetage sîn« heißt. Das entspricht dem Lemma in Lexers Handwörterbuch (»lëbe-tac, lëbe-tage«); der Lesartenapparat indes zeigt, dass die Textzeugen Adac »leb(e)tagen« haben (wobei ich nicht verstehe, warum an dieser Stelle zwei Mal die Handschrift d angeführt wird). Wegen dieses Handschriftenbefunds würde ich auch bei dieser Stelle nicht von einer signifikanten Abweichung sprechen. In den Versen 2271-2300 kann ich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede entdecken. Spannender wird es in der letzten Textpassage (Verse 4371-4400). Im Vers 4397 nämlich steht bei Keller »tougenlichen«; in der neuen Ausgabe allerdings »tugentlîchen«. Das ist nun tatsächlich eine inhaltlich relevante Differenz, denn es macht einen Unterschied, ob die Göttin Venus »unauffällig« (wie ich übersetzt habe) oder gar »heimlich« irgendwo sitzt – oder aber »tugendhaft«, »edel«, »anmutig« oder ähnliches. Beim Blick in den Handschriftenapparat sieht man, dass die Handschrift d »tugenliche« hat; alle anderen vollständigen Handschriften haben »tougenlichen«. Die Herausgeber haben sich also allem Anschein nach entschieden, der Handschrit d zu folgen und zudem noch ein <t> ergänzt, um die Stelle eindeutig zu machen. Notwendig scheint mir eine solche Konjektur allerdings nicht zu sein, schließlich ist »tugenliche« zu nahe an der übrigen Überlieferung, die sich eindeutig für die Heimlichkeit oder Unauffälligkeit entscheidet.
Natürlich lässt sich anhand dieser vier kurzen Textpassagen kein Urteil über die Gesamtausgabe treffen. Außerdem muss ich schon aus Gründen des Urheberrechts beid er älteren Ausgabe bleiben. Auf jeden Fall gibt es nun (endlich) die Möglichkeit, sich einen sicheren Überblick über die handschriftliche Überlieferung zu verschaffen; allein dies ist schon sehr viel wert.
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