swâ man niht schœner witze hât.
liep âne guoten lîprât
daz leidet ouch vil gerne.
ganc wider unde lerne
daz vihe dîn verslihten!
dû kanst die liute rihten
vil anders, denne in wol gezeme.
daz im got al sîn êre neme,
der Pârîs dich geheizen habe!
tuo dich des hôhen namen abe,
wo auch immer man nicht über strahlende Klugheit verfügt.
Angenehmes ohne gute Leibesnahrung,
das wird einem auch schnell zuwider.
Geh’ zurück und lerne,
deine Tiere zu versöhnen!
Du richtest über die Leute
anders, als es ihnen gebührt.
Gott möge ihm all sein Ansehen nehmen,
der dich Paris genannt hat!
Leg den hohen Namen ab,
[Wenn »schön«, wie das Grimm’sche Wörterbuch schreibt, etwas mit »schauen« zu tun haben könnte (deshalb auch »hell«, »leuchtend« als nhd. Übersetzungsvorschläge in den mhd. Wörterbüchern), dann ist vielleicht »strahlend« in V. 2851 eine recht treffende Übersetzung. »lîprât« mit »Leibesnahrung« zu übersetzen, scheint mir nicht wirklich zufriedenstellend zu sein; sollte man »Geistesnahrung« übersetzen?]
Dienstag, 12. Mai 2015
Montag, 11. Mai 2015
2841-2850
die wîle dû geleben kanst.
sît dû der minne lobes ganst
und ir erfüllet hâst ir gir,
sô warte ouch, wie si lône dir
unde diene ir ûf ir solt.
kunst oder silber unde golt
wæren diu niht alsô guot,
sô minne bî der armuot
und âne wîse lêre?
jâ minne swachet sêre,
so lange du am Leben bist.
Weil du der Minne Ehre gewährst
und ihrem Verlangen entsprochen hast,
so schau nun auch, wie sie es dir lohnt
und diene ihr für ihren Lohn.
Geschicklichkeit und Können – und auch Gold und Silber,
wären die nicht ebenso gut
wie Minne inmitten von Armut
und ohne Weisheit?
Ja, die Minne erniedrigt sehr,
sît dû der minne lobes ganst
und ir erfüllet hâst ir gir,
sô warte ouch, wie si lône dir
unde diene ir ûf ir solt.
kunst oder silber unde golt
wæren diu niht alsô guot,
sô minne bî der armuot
und âne wîse lêre?
jâ minne swachet sêre,
so lange du am Leben bist.
Weil du der Minne Ehre gewährst
und ihrem Verlangen entsprochen hast,
so schau nun auch, wie sie es dir lohnt
und diene ihr für ihren Lohn.
Geschicklichkeit und Können – und auch Gold und Silber,
wären die nicht ebenso gut
wie Minne inmitten von Armut
und ohne Weisheit?
Ja, die Minne erniedrigt sehr,
Sonntag, 10. Mai 2015
2831-2840
dir werde, tumber jungelinc,
den iz ûf erden unde trinc
und lebe kumberlichen!
dû bist dâ her gestrichen
wîstuomes unde guotes bar,
nû kêre ouch wider unde var
sunder witze und âne hort.
dû bist ein gouch gewesen dort
und ein amrez hirtelîn,
diu beidiu muost ouch iemer sîn,
erhältst, törichter Junge,
den esse auf Erden und trinke ihn
und lebe sorgenschwer!
Du bist hierher gelaufen
ganz ohne Weisheit und Besitz,
nun geh’ auch wieder zurück –
ohne Wissen und frei von Schätzen.
Dort bist du ein Narr gewesen
und ein armes Hirtlein
und beides musst du auch für immer bleiben,
[»Hirtlein« für »hirtelîn« scheint mir noch nicht die ideale Lösung zu sein. Vielleicht einefach »kleiner Hirte«?]
den iz ûf erden unde trinc
und lebe kumberlichen!
dû bist dâ her gestrichen
wîstuomes unde guotes bar,
nû kêre ouch wider unde var
sunder witze und âne hort.
dû bist ein gouch gewesen dort
und ein amrez hirtelîn,
diu beidiu muost ouch iemer sîn,
erhältst, törichter Junge,
den esse auf Erden und trinke ihn
und lebe sorgenschwer!
Du bist hierher gelaufen
ganz ohne Weisheit und Besitz,
nun geh’ auch wieder zurück –
ohne Wissen und frei von Schätzen.
Dort bist du ein Narr gewesen
und ein armes Hirtlein
und beides musst du auch für immer bleiben,
[»Hirtlein« für »hirtelîn« scheint mir noch nicht die ideale Lösung zu sein. Vielleicht einefach »kleiner Hirte«?]
Donnerstag, 7. Mai 2015
2821-2830
ein wênic rehter hân getân.
wer solte rîche sache lân
an hirten ûz dem walde?
ganc zuo dem vihe balde,
von dem dû bist geloufen her!
uns möhte wol her Jûpiter
anders hân verslihtet.
nû wol, dû hâst gerihtet
dir selber z'ungewinne.
den lôn, der von der minne
ja wohl etwas rechter machen können.
Wer übergibt denn große, gewaltige Sachen
an Hirten aus dem Wald?
Geh’ schnell zum Vieh,
von dem du hergelaufen bist!
Über uns hätte Herr Jupiter sicher
anders geurteilt.
Nun gut, du hast entschieden –
dir selbst zum Schaden.
Der Lohn, den du von der Minne
wer solte rîche sache lân
an hirten ûz dem walde?
ganc zuo dem vihe balde,
von dem dû bist geloufen her!
uns möhte wol her Jûpiter
anders hân verslihtet.
nû wol, dû hâst gerihtet
dir selber z'ungewinne.
den lôn, der von der minne
ja wohl etwas rechter machen können.
Wer übergibt denn große, gewaltige Sachen
an Hirten aus dem Wald?
Geh’ schnell zum Vieh,
von dem du hergelaufen bist!
Über uns hätte Herr Jupiter sicher
anders geurteilt.
Nun gut, du hast entschieden –
dir selbst zum Schaden.
Der Lohn, den du von der Minne
2811-2820
Si wart von dem cleinœte geil,
wan si dûhte ein rîchez heil,
daz ir der apfel worden was.
vrô Jûnô und vrô Pallas
die wurden beide an vröuden tôt.
beswæret unde schamerôt
sprâchen si Pârîse zuo:
›daz dich Unsælde trûric tuo!
wie kanst dû kriege scheiden.
dû möchtest wol uns beiden
Sie wurde durch das Kleinod überglücklich,
denn es schien ihr ein großes Glück zu sein,
dass sie den Apfel bekommen hat.
Frau Juno und Frau Pallas
die erlitten beide an der Freude den Tod.
Betrübt und rot vor Scham
sagten sie zu Paris:
›Das Unglück soll dich in Trauer stürzen!
Wie kannst du Streitfälle schlichten?
Du hättest es uns beiden
[Vielleicht ist »Glück« hier eine schlechte Übersetzung für »heil«; aber »Segen« oder »Gewinn« dürften auch nicht viel besser sein.]
wan si dûhte ein rîchez heil,
daz ir der apfel worden was.
vrô Jûnô und vrô Pallas
die wurden beide an vröuden tôt.
beswæret unde schamerôt
sprâchen si Pârîse zuo:
›daz dich Unsælde trûric tuo!
wie kanst dû kriege scheiden.
dû möchtest wol uns beiden
Sie wurde durch das Kleinod überglücklich,
denn es schien ihr ein großes Glück zu sein,
dass sie den Apfel bekommen hat.
Frau Juno und Frau Pallas
die erlitten beide an der Freude den Tod.
Betrübt und rot vor Scham
sagten sie zu Paris:
›Das Unglück soll dich in Trauer stürzen!
Wie kannst du Streitfälle schlichten?
Du hättest es uns beiden
[Vielleicht ist »Glück« hier eine schlechte Übersetzung für »heil«; aber »Segen« oder »Gewinn« dürften auch nicht viel besser sein.]
Dienstag, 5. Mai 2015
2801-2810
an êren und an werdekeit,
der crône ist wol an iuch geleit
und der apfel schœne.
ich prîse iuch unde krœne
mit lobe in allen mînen tagen.
künn ieman anders iht gesagen,
der spreche sunder mînen zorn.‹
sus nam diu götîn ûz erkorn
den apfel wunneclich gestalt
mit hôhem muote in ir gewalt.
was das Ansehen und die Würde anbelangt.
Die Krone steht euch gut zu Gesicht,
wie auch der schöne Apfel.
Euch rühme und kröne ich
mit Lobpreis mein ganzes Leben lang.
Vermag jemand etwas anderes zu sagen,
der spreche, ohne sich meinen Zorn zuzuziehen.‹
So nahm denn die auserwählte Göttin
den herrlich gestalteten Apfel
hocherfreut in Besitz.
der crône ist wol an iuch geleit
und der apfel schœne.
ich prîse iuch unde krœne
mit lobe in allen mînen tagen.
künn ieman anders iht gesagen,
der spreche sunder mînen zorn.‹
sus nam diu götîn ûz erkorn
den apfel wunneclich gestalt
mit hôhem muote in ir gewalt.
was das Ansehen und die Würde anbelangt.
Die Krone steht euch gut zu Gesicht,
wie auch der schöne Apfel.
Euch rühme und kröne ich
mit Lobpreis mein ganzes Leben lang.
Vermag jemand etwas anderes zu sagen,
der spreche, ohne sich meinen Zorn zuzuziehen.‹
So nahm denn die auserwählte Göttin
den herrlich gestalteten Apfel
hocherfreut in Besitz.
2791-2800
Hie mite stuont er ûf zehant.
er nam den rîchen prîsant
in sîne blanken hende sider
und kniete hovelîche nider
vür der minne vrouwen.
er lie si dô beschouwen,
daz er wolte ir diener sîn,
er sprach: ›erweltiu künigîn,
enphâhent diz cleinœte rîch.
kein frouwe mac iu sîn gelîch
Damit stand er sogleich auf.
Er nahm dann die wertvolle Gabe
in seine weißen Hände
und kniete auf höfische Weise vor
der Herrin der Minne nieder.
So ließ er sie sehen,
dass er ihr Diener sein wollte;
er sagte: ›Auserwählte Königin,
nehmt dieses wertvolle Kleinod entgegen.
Keine Dame kann sie mit euch vergleichen,
er nam den rîchen prîsant
in sîne blanken hende sider
und kniete hovelîche nider
vür der minne vrouwen.
er lie si dô beschouwen,
daz er wolte ir diener sîn,
er sprach: ›erweltiu künigîn,
enphâhent diz cleinœte rîch.
kein frouwe mac iu sîn gelîch
Damit stand er sogleich auf.
Er nahm dann die wertvolle Gabe
in seine weißen Hände
und kniete auf höfische Weise vor
der Herrin der Minne nieder.
So ließ er sie sehen,
dass er ihr Diener sein wollte;
er sagte: ›Auserwählte Königin,
nehmt dieses wertvolle Kleinod entgegen.
Keine Dame kann sie mit euch vergleichen,
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