Freitag, 25. Januar 2019

10301-10310

Êson verdulden bî der zît,
dô man sich vröute enwiderstrît
dur sînes kindes êre.
diu tempel wurden sêre
mit opfer dâ gezieret.
dâ wart gefestivieret
mit kerzen und mit sange wol.
dur in wart kurzewîle vol
arm unde rîch gemeine,
wan daz sîn vater eine

zu dieser Zeit,
als man sich wegen des Ruhms seines Kindes
um die Wette freute. 
Da wurden die Tempel
mit vielen Opfern bedacht.
Da wurden Feste gefeiert
mit Kerzen und mit Gesang. 
Wegen ihm waren
Arm und Reich ganz vergnügt,
nur allein sein Vater

Donnerstag, 24. Januar 2019

10291-10300

in unkrefte manic jâr,
wan im daz houbet und daz hâr
von alter wâren grîse
nâch eines mannes wîse,
der lange zît gelebet hât
noch dekeiner wunne rât
ze herzen mac gevazzen.
daz alter vröuden hazzen
von natûre gerne wil;
des mohte keiner hande spil

seit Jahren schon ihre Kraft verloren,
weil ihm Kopf und Haar
durch das Alter grau geworden waren,
so wie das bei Männern ist,
die schon lange leben
und keine Fürsprache der Freude
in ihrem Herzen festhalten können. 
Weil das Alter von Natur aus 
Freude am liebsten verabscheut, 
deshalb konnte Eson keinerlei Vergnügen zulassen,

Mittwoch, 23. Januar 2019

10281-10290

mit lobelichem schalle.
die liute brâhten alle
den göten opfer und gebet,
dar umbe daz erworben het
ir herre ganze wirdikeit.
dur in was allez daz gemeit
daz ie dâ vröuden wart gewon,
wan daz sîn vater Êson
dekeiner wunne mohte pflegen.
sîn hôchgemüete was gelegen

mit Hilfe der allgegenwärtigen Lobreden.  
Die Leute brachten alle,
weil ihr Herr größtes Ansehen
erworben hatte,
den Göttern Opfer und Gebete dar.
Wegen ihm waren alle glücklich,
die jemals Freude empfanden;
einzig sein Vater Eson
konnte sich nicht freuen.
Seine edle Gesinnung hatte 

Dienstag, 22. Januar 2019

10271-10280

und tet niht dem gelîche.
swaz in Jâsônes rîche
was ritter unde frouwen,
die fuoren alle schouwen
den hôhen werden prîsant,
den gefüeret in daz lant
der helt des mâles hæte.
prîs unde wirde stæte
wart im erboten mit genuht.
er sneit vil hôher êren fruht

und zeigte es nicht nach außen. 
Alle Ritter und Damen,
die es in Jasons Reich gab,
die kamen, um 
die wichtige, wertvolle Trophäe zu sehen,
die der Held jüngst
in das Land gebracht hatte.
Lob und ewiges Ansehen
wurde ihm in Hülle und Fülle zuerkannt.
Er erreichte die Früchte eines hoch hinaufragenden Ansehens

Montag, 21. Januar 2019

10261-10270

daz er geworben hete alsus.
sîn veter künic Pêleus
erbunde in dirre wirde.
daz er nâch sîner girde
gelac niht under wegen tôt,
daz was sîn allermeistiu nôt
an herzen und an sinne.
er truoc im kranke minne
und was im âne schult gehaz.
doch hal er tougenlichen daz

dass ihm das alles gelungen war. 
Sein Onkel, König Peleus,
ersparte ihm diese Hochachtung.
Dass er nicht, so wie er es gewollt hatte,
unterwegs getötet worden war,
das war sein größter Kummer,
der sein Fühlen und Denken belastete.  
Er empfand ihm gegenüber nur wenig Zuneigung
und hasste ihn, ohne Grund.
Doch das hielt er sorgsam verborgen

Freitag, 18. Januar 2019

10251-10260

der Êson was geheizen.
in sînes landes creizen
vröute sich vil manic lîp;
alt unde junc, man unde wîp
von sîner künfte wâren geil.
si dûhte ob aller sælde ein heil,
daz er den schæper ûz erkorn
und eine frouwen hôchgeborn
mit sînen kreften hete erstriten.
doch wart er anderswâ geniten,

der Eson hieß. 
Überall in seinem Land
freuten sich die Menschen –
Alt und Jung, Männer und Frauen
waren froh über seine Rückkehr.
Ihnen schien es der größte Segen von allen zu sein,
dass er das außergewöhnliche Vlies
und eine adelige Frau
mit seiner Kraft erobert hatte. 
Doch wurde er anderswo darum beneidet,

Donnerstag, 17. Januar 2019

10241-10250

gerechen möhte bî den tagen.
sîn râche diu wart undertragen
mit eime tôde bitterlich.
nû merkent, wie daz hüebe sich.
Er was ze Kriechen schiere komen,
und dô sîn kunft wart dâ vernomen,
dô wart enphangen er sô wol,
daz man enphâhen niemer sol
baz dekeinen künic doch.
sîn vater lebte dennoch,

das Leben genommen. 
Seine Rache wurde 
von einem bitteren Tod durchkreuzt.
Passt nun auf, wie das geschah.
Er war bald nach Griechenland gekommen
und als man dort von seiner Ankunft hörte,
da wurde er so gut empfangen,
dass man nie wieder einen 
König besser empfangen wird.
Damals lebte noch sein Vater,