und ir genâden stiure.
wan ez enwart sô tiure
cleit von henden nie genât,
sô disiu kostbærlîchiu wât,
die Pârîs des mâles truoc;
si was dar zuo vil gar ze cluoc,
daz si trüege ein irdisch man,
si möhte ein glanzer engel an
mit grôzen êren hân geliten.
si was geteilet und gesniten
und auch mit ihrer wohlwollenden Unterstützung,
denn nie haben Hände so wertvolle
Kleidungsstücke genäht
wie diese kostbare Kleidung,
die Paris damals trug.
Zudem war sie ganz und gar zu fein,
als dass sie ein irdischer Mann tragen würde:
ein strahlender Engel hätte sie sich
mit großem Ansehen gefallen lassen können.
Das Kleid war geteilt und voneinander getrennt,
Freitag, 22. Mai 2015
Donnerstag, 21. Mai 2015
2911-2920
der jungelinc diu cleider an.
ein schapel, daz von golde bran
und von gesteine lieht gemâl,
daz wart im ûf dâ sunder twâl
gesetzet von ir hende wîz.
si leite ûf in gar hôhen vlîz
und einen günstebæren sin.
sus wart von ir der knappe hin
zuo dem gestüele wider brâht.
in hete ir helfe wol bedâht
der Jüngling die Kleider an.
Ein Kranz, der mit Gold glänzte
und mit hell leuchtenden Edelsteinen,
der wurde ihm ohne zu zögern
von ihren weißen Händen aufgesetzt.
Sie verwendete auf ihn sehr große Sorgfalt
und war ihm wohlwollend gesinnt.
So wurde der junge Mann von ihr
wieder zu den Stühlen gebracht.
Mit ihrer Hilfe hatte sie sich sorgfältig um ihn gekümmert
ein schapel, daz von golde bran
und von gesteine lieht gemâl,
daz wart im ûf dâ sunder twâl
gesetzet von ir hende wîz.
si leite ûf in gar hôhen vlîz
und einen günstebæren sin.
sus wart von ir der knappe hin
zuo dem gestüele wider brâht.
in hete ir helfe wol bedâht
der Jüngling die Kleider an.
Ein Kranz, der mit Gold glänzte
und mit hell leuchtenden Edelsteinen,
der wurde ihm ohne zu zögern
von ihren weißen Händen aufgesetzt.
Sie verwendete auf ihn sehr große Sorgfalt
und war ihm wohlwollend gesinnt.
So wurde der junge Mann von ihr
wieder zu den Stühlen gebracht.
Mit ihrer Hilfe hatte sie sich sorgfältig um ihn gekümmert
Mittwoch, 20. Mai 2015
2901-2910
›wie diz gewant ze hove tüge.
ich sol versuochen, ob ich müge
ûz armekeite dich geschüten.
ê Pallas unde Jûne büten
dir mit worten smâheit,
dur daz dû trüegest armiu cleit,
ê gæb ich dir sô rîche wât,
daz nieman hie ze hove hât
sô rehte keiserlich gewant.‹
hie mite leite dô zehant
›wie sich diese Kleidung am Hof macht.
Ich werde versuchen, ob es mir gelingt,
dich der Armut zu entkleiden.
Statt dass Pallas und Juno
dir mit Worten ihre Verachtung zeigen,
weil du ärmliche Kleider trägst,
gebe ich dir lieber so teure Kleidungsstücke,
dass niemand hier am Hof
so geradezu kaiserliche Kleider hat.‹
Daraufhin legte dann sofort
[»schüten« kann auch das ab- und anlegen der Rüstung bezeichnen.]
ich sol versuochen, ob ich müge
ûz armekeite dich geschüten.
ê Pallas unde Jûne büten
dir mit worten smâheit,
dur daz dû trüegest armiu cleit,
ê gæb ich dir sô rîche wât,
daz nieman hie ze hove hât
sô rehte keiserlich gewant.‹
hie mite leite dô zehant
›wie sich diese Kleidung am Hof macht.
Ich werde versuchen, ob es mir gelingt,
dich der Armut zu entkleiden.
Statt dass Pallas und Juno
dir mit Worten ihre Verachtung zeigen,
weil du ärmliche Kleider trägst,
gebe ich dir lieber so teure Kleidungsstücke,
dass niemand hier am Hof
so geradezu kaiserliche Kleider hat.‹
Daraufhin legte dann sofort
[»schüten« kann auch das ab- und anlegen der Rüstung bezeichnen.]
Dienstag, 19. Mai 2015
2891-2900
ab dem gestüele rîch erkant.
Pârîsen nam si bî der hant
und fuorte in balde in ir gezelt.
si wolte im rîches lônes gelt
ze solde bieten unde geben.
ein cleit von sîden wol geweben,
daz ein wildiu feine span,
daz tet si dem juncherren an:
dâ von wart sîn gemüete vrô.
›Pârîs, lâ sehen‹, sprach si dô,
von den Stühlen, deren Kostbarkeit bekannt war.
Sie nahm Paris bei der Hand
und führte ihn sogleich in ihr Zelt.
Sie wollte ihm als Bezahlung einen gewaltigen Lohn
als Vergeltung für geleistete Dienste anbieten und geben.
Ein aus Seide schön gewebtes Kleid,
das eine Fee, die in der Wildnis lebt, gesponnen hat,
das legte sie dem jungen Herren an.
Dadurch wurde er froh und heiter.
›Lass sehen, Paris‹, sagte sie da,
[»gestüele« mit »Stühlen« zu übersetzen, ist irgendwie nicht zufriedenstellend. Aber was sollte man sonst nehmen?]
Pârîsen nam si bî der hant
und fuorte in balde in ir gezelt.
si wolte im rîches lônes gelt
ze solde bieten unde geben.
ein cleit von sîden wol geweben,
daz ein wildiu feine span,
daz tet si dem juncherren an:
dâ von wart sîn gemüete vrô.
›Pârîs, lâ sehen‹, sprach si dô,
von den Stühlen, deren Kostbarkeit bekannt war.
Sie nahm Paris bei der Hand
und führte ihn sogleich in ihr Zelt.
Sie wollte ihm als Bezahlung einen gewaltigen Lohn
als Vergeltung für geleistete Dienste anbieten und geben.
Ein aus Seide schön gewebtes Kleid,
das eine Fee, die in der Wildnis lebt, gesponnen hat,
das legte sie dem jungen Herren an.
Dadurch wurde er froh und heiter.
›Lass sehen, Paris‹, sagte sie da,
[»gestüele« mit »Stühlen« zu übersetzen, ist irgendwie nicht zufriedenstellend. Aber was sollte man sonst nehmen?]
Montag, 18. Mai 2015
2881-2890
lop unde prîs enphlœhet.
Pârîs der wart erhœhet
ze hove und in dem lande.
sîn êre maniger hande
wart durch sîn gerihte sleht.
in allen den geviel sîn reht
nâch wunsche, wan eht disen zwein,
die wâgen dô sîn ›jâ‹ vür ›nein‹
und truogen im ir vîentschaft.
Vênus diu gie dô sigehaft
Lob und Preis geraubt worden war.
Paris, der wurde hochgelobt
am Hof und im Land.
Sein Ansehen wurde in verschiedener Hinsicht
durch sein Urteil gestärkt.
Ihnen allen schien seine Urteilskraft
tadellos, nur halt nicht diesen beiden,
die da sein ›Ja‹ für ein »Nein‹ nahmen
und ihm feindlich gesinnt waren.
Venus, die ging dort siegreich
Pârîs der wart erhœhet
ze hove und in dem lande.
sîn êre maniger hande
wart durch sîn gerihte sleht.
in allen den geviel sîn reht
nâch wunsche, wan eht disen zwein,
die wâgen dô sîn ›jâ‹ vür ›nein‹
und truogen im ir vîentschaft.
Vênus diu gie dô sigehaft
Lob und Preis geraubt worden war.
Paris, der wurde hochgelobt
am Hof und im Land.
Sein Ansehen wurde in verschiedener Hinsicht
durch sein Urteil gestärkt.
Ihnen allen schien seine Urteilskraft
tadellos, nur halt nicht diesen beiden,
die da sein ›Ja‹ für ein »Nein‹ nahmen
und ihm feindlich gesinnt waren.
Venus, die ging dort siegreich
Freitag, 15. Mai 2015
2871-2880
und der knappe stæte
den strît gescheiden hæte
ân alle missewende:
der criec der nam ein ende
mit disen dingen und alsus.
der minne frouwe, Vênus,
wart der sigenüfte vrô,
sô was diu frouwe Jûnô
vil trûric unde Pallas,
dar umbe daz in beiden was
und treue Jüngling
den Streit ganz und gar tadellos
geschlichtet habe.
Der Kampf, der ging zuende,
mit diesen Dingen und auf diese Weise.
Die Herrin der Minne, Venus,
war froh über den Sieg
und ebenso zeigten sich die Frauen Juno
und Pallas sehr traurig,
weil ihnen beiden
[Kann man »stæte« mit »treu« übersetzen? Inhaltlich scheint es mir sinnvoll zu sein.]
den strît gescheiden hæte
ân alle missewende:
der criec der nam ein ende
mit disen dingen und alsus.
der minne frouwe, Vênus,
wart der sigenüfte vrô,
sô was diu frouwe Jûnô
vil trûric unde Pallas,
dar umbe daz in beiden was
und treue Jüngling
den Streit ganz und gar tadellos
geschlichtet habe.
Der Kampf, der ging zuende,
mit diesen Dingen und auf diese Weise.
Die Herrin der Minne, Venus,
war froh über den Sieg
und ebenso zeigten sich die Frauen Juno
und Pallas sehr traurig,
weil ihnen beiden
[Kann man »stæte« mit »treu« übersetzen? Inhaltlich scheint es mir sinnvoll zu sein.]
Mittwoch, 13. Mai 2015
2861-2870
wan er ist dir ein teil ze rîch,
dîn reht ist allez ungelîch.‹
Die rede triben dise zwô
mit Pârîse in zorne dô,
wan si wâren im gehaz;
doch wac er harte ringe daz
und ahte drûf vil cleine,
wan alle die gemeine,
die dâ sâzen umb den rinc,
die sprâchen, daz der jüngelinc
weil er dir dann doch etwas zu vornehm ist.
Deine Rechtsprechung ist ganz unausgewogen.‹
Diese Rede hielten diese beiden
da zornig mit Paris,
weil sie ihn hassten;
das ließ ihn allerdings ziemlich kalt
und er achtete darauf minimalst,
weil alle die gemeinsam
dort im Kreis saßen,
die sagten, dass der junge Mann
[Mit der Übersetzung des Verses 2862 bin ich nicht so recht glücklich; sollte man »reht« mit »Urteil« übersetzen? Und was genau meint hier »ungelîch«?]
dîn reht ist allez ungelîch.‹
Die rede triben dise zwô
mit Pârîse in zorne dô,
wan si wâren im gehaz;
doch wac er harte ringe daz
und ahte drûf vil cleine,
wan alle die gemeine,
die dâ sâzen umb den rinc,
die sprâchen, daz der jüngelinc
weil er dir dann doch etwas zu vornehm ist.
Deine Rechtsprechung ist ganz unausgewogen.‹
Diese Rede hielten diese beiden
da zornig mit Paris,
weil sie ihn hassten;
das ließ ihn allerdings ziemlich kalt
und er achtete darauf minimalst,
weil alle die gemeinsam
dort im Kreis saßen,
die sagten, dass der junge Mann
[Mit der Übersetzung des Verses 2862 bin ich nicht so recht glücklich; sollte man »reht« mit »Urteil« übersetzen? Und was genau meint hier »ungelîch«?]
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