Mittwoch, 10. April 2024

19670-19679

und leisten einen antheiz

den göten und der Minne.

si was ein küniginne

des landes und des rîches,

und lepte ir niht gelîches

an êren unde an lîbe.

ein bluome glanzer wîbe

schein diu vil wunnebære.

wie si genennet wære,

daz künde ich iu mit rede sâ:


um dort den Göttern und der Liebe

ein Gelübde zu leisten. 

Sie war Königin 

in diesem Land und diesem Reich

und niemand kam ihr

an Ansehen und Schönheit gleich.

Wie eine glänzende Blume der Weiblichkeit

glänzte die überaus Liebenswerte. 

Wie sie hieß,

das sage ich euch sogleich:

Dienstag, 9. April 2024

19660-19669

in frischer tugende bluote.

Des mæres wart diu reine vrô.

si wart ze râte schiere dô,

daz si die geste wolte sehen,

den rîches lobes dâ verjehen

und alsô manger tugende wart.

diu sælig einer bitevart

nam sich dâ willeclichen an.

si jach, si wolte kêren dan

durch opher in den selben creiz


in der Blüte seiner Tugenden. 

Über diese Nachricht freute sich die Makellose

und schnell hatte sie beschlossen,

dass sie die Fremden sehen wollte,

denen man so großes Wertschätzung entgegenbrachte

und deren Vorzüglichkeit so gelobt wurde.

Die Gesegnete nahm die Erkundungsreise

bereitwillig in Angriff. 

Sie verkündete, dass sie wegen eines Opfers

in eben jenen Bezirk gehen wolle,

Montag, 8. April 2024

19650-19659

si trüegen al die bürde,

die man von sælden möhte hân.

dâ bî sô wart ir kunt getân,

ein herre der wær under in

gegangen in daz tempel hin,

der sich ûf êren flizze

und ûz in allen glizze,

durliuhtic als ein engel,

und sam ein rôsenstengel

an herzen unde an muote


Sie führten mit sich 

alles an göttlichem Heil, das man nur haben konnte.

Zudem sagte man ihr,

dass unter ihnen ein Herr

in den Tempel gegangen sei,

der nach höchstem Ansehen strebe

und sie alle überstrahle,

hell wie ein Engel;

und mit Herz und Gesinnung

sei er wie ein Rosenstiel, 

Freitag, 5. April 2024

19640-19649

daz dise geste wandels vrî

dar in daz tempel wâren komen,

daz hete si von sage vernomen

ûf ir kastelle bî der stunt.

man seite ir unde tet ir kunt

ze mære und ouch ze tiute,

ez wæren vremde liute

geschiffet ûf dem wâge dar,

daz ritter nie sô wunnevar

noch sô kürlich würde.


Dass diese untadeligen Fremden

in den Tempel gekommen waren,

davon hat sie ihr in ihrer Burg 

bald erfahren.

Man hat ihr gesagt

und ihr erläutert,

dass Fremde über das Meer

dorthin gekommen seien –

und dass man noch nie solch

schöne und auserwählte Ritter gesehen habe.

Donnerstag, 4. April 2024

19630-19639

und koufte den gesellen sîn

kleinœte maniger slahte.

sîn frümekeit diu mahte,

daz er vil hôhen prîs enphienc.

nû daz er krâmend alsus gienc,

dô wart sîn kunft vermæret

und schiere goffenbæret

der frouwen, diu des landes wielt

und hûs mit grôzen êren hielt

ûf einer burc dâ nâhe bî.


und kaufte seinen Begleitern

vielerlei Kostbarkeiten. 

Weil er so unvergleichlich war,

waren alle voll des Lobs.

Als er nun mit Einkäufen beschäftigt war,

sprach sich seine Ankunft herum

und wurde bald auch 

der Dame bekannt, die über das Land herrschte

und auf einer benachbarten Burg

einen angesehenen Hof unterhielt.

Mittwoch, 3. April 2024

19620-19629

er was ir aller ougen

ein spiegel bî der stunde;

ouch wart er von dem munde

lieplîche dâ gemeinet.

geliutert und gereinet

was er an allen dingen.

er kunde ez dar zuo bringen,

daz sîn lop wart genæme.

dâ stuonden rîche kræme:

dâ gie der werde ritter în


Er war für alle ihre Augen 

ein Spiegel

und wurde von ihren Mündern

liebevoll verehrt.

In jeder Hinsicht war er

rein und makellos.

Er schaffte es, 

dass es ihnen gefiel, ihn zu loben.

Dort, wo prächtige Waren angeboten wurden,

ging der edle Ritter hinein,

Dienstag, 2. April 2024

19610-19619

an lîbe und an gewande

sô kürlich unde als ûz erkorn.

man hæte des dâ wol gesworn,

er wære ein got und niht ein man:

des wart er vil gekapfet an.

Er gap sô liehtebernden glast,

daz man den hôchgebornen gast

ie gerner unde ie gerner sach.

sîn klârheit diu dranc unde brach

in manic herze tougen.


dessen Kleidung und Körper

so außerordentlich und einzigartig waren.

Die Leute hätten schwören können,

dass er kein Mensch sei, sondern ein Gott!

Dementsprechend wurde er vielfach angestarrt.

Von ihm ging ein derart hellscheinender Glanz aus,

dass man den edlen Fremden

je länger je lieber sah.

Seine Schönheit, die drang und brach

still und leise in viele Herzen.