Dienstag, 27. April 2021

14690-14699

und liez ouch ie dar under

an ir munt die blicke sîn,

der glanz als ein gar lieht rubîn

und als ein rôtiu rôse gleiz.

sîn glast durchliuhtic unde heiz

Achille dur sîn herze bran.

ez warf in unde stiez in an

daz wilde fiur der minne.

daz wart in sînem sinne

sô rehte schiere enzündet,


und er ließ dabei auch

seine Blicke zu ihrem Mund schweifen,

der im Glanz eines hell strahlenden Rubins

und einer roten Rose erstrahlte.   

Seine alles durchdringenden, heißen Strahlen

brannten Achill durch sein Herz.

Ihn schlug und es traf ihn 

das wilde Feuer der Liebe.

Das wurde in seinem Denken und Wollen

so plötzlich entzündet,

Montag, 26. April 2021

14680-14689

an ir lac alliu diu genuht,

der man von spilender wunne gert:

des wart er jâmers vil gewert

durch die vil reinen minne

der glanzen küniginne.

Er nam ir mit flîze war.

ir clâren ougen spiegelvar

dâ liutsæld unde minne

versigelt lâgen inne,

die starte er an ze wunder


Sie hatte alles in Hülle und Fülle,

was man an freudenvoller Anmut und Wonne nur wünschen kann.

Auf diese Weise wurde ihm seine Traurigkeit genommen,

durch den makellosen Liebreiz

der strahlenden Königin. 

Er betrachtete sie aufmerksam.

Ihre strahlenden, spiegelblanken Augen,

in denen Anmut und Liebe

wie mit einem Siegel verschlossen ruhten,

dieses Wunderwerk starrte er an

Mittwoch, 21. April 2021

14670-14679

unz sîn gemüete wilde

wart von ir clârheite zam.

sô glanz und alsô lustsam

diu wunneclîche erlûhte,

daz den juncherren dûhte,

daz nie sô clâres würde niht.

sîn leben und sîn zuoversiht

die wurden beide ûf si gewent.

von grunde wart sîn muot versent

nâch der vil keiserlichen fruht.


bis sein wildes Denken und Fühlen

durch ihre Reinheit zahm geworden waren.

So glänzend und so anmutig

strahlte die Liebenswerte,

dass es dem jungen Herrn schien,

dass es noch nie etwas so Makelloses gegeben habe.

Sein Leben und sein Hoffen –

beides wurde durch sie in Beschlag genommen.

Sein Denken und sein Wollen wurden ganz und gar

von der Sehnsucht nach dem kaiserlichen Kind erfüllt. 


[Jetzt ist aber auch langsam mal wieder gut!]

Dienstag, 20. April 2021

14660-14669

gar inneclichen smerzen

enpfienc er von ir sâ zehant.

enpflammet wart er und enbrant

von ir ougen blicke

und mit ir minne stricke

gebunden und gevangen.

dô si kam êrst gegangen

und ir sîn ouge wart gewar,

dô blicte er dar und aber dar

an ir liutsælic bilde,


Schmerzen, tief im Innersten,

empfieng er von ihr augenblicklich.

Durch die Blicke ihrer Augen wurde er

entzündet und in Flammen gesetzt

und mit den Fesseln ihrer Liebe

wurde er gebunden und gefangen gesetzt.

In dem Moment, in dem sie herbei ging

und sie von seinen Augen erblickt wurde,

da schaute er dorthin und immer wieder dorthin,

zu ihrer liebenswerten Gestalt,

Montag, 19. April 2021

14650-14659

und in gedenke dur si brâht

biz ûf den grunt der sinne.

ir lebendiu süeziu minne

begunde in jâmers nœten

und mit beswærde tœten

sîn frîgez hôchgemüete,

daz in der jugende blüete

mit fröuden stuont geloubet.

er wart von ir beroubet

vil schiere sînes herzen.


und all seine Gedanken wurden durch sie ergriffen,

bis auf den Grund des Denkens und Fühlens. 

Die lebendige, süße Liebe, die sie ausstrahlte,

fing an, seinen Freiheitswillen,

der ihn ganzer Jugendblüte

lebensfroh in vollem Laub stand,

dem Leiden zu unterwerfen 

und ihn schmerzvoll umzubringen.   

Im Handumdrehen wurde er von ihr

seines Herzens beraubt.

Freitag, 16. April 2021

14640-14649

wan swaz ein herze kan erweln

von lebender wunne prîse,

daz truoc an ir diu wîse

und diu keiserlîche maget:

dâ von Achilles wart gejaget

in seneclichez ungemach.

dô der juncherre an ir gesach

die wunderlichen clârheit,

der an si wunder was geleit,

dô wart sîn herze an si verdâht


ich kann nur sagen: Was auch immer sich ein Herz

erwählen kann, an lebendiger, herrlicher Ehre,

das führte die kundige, erfahrene,

die kaiserliche Jungfrau an und mit sich.

Dadurch wurde Achill in einen Zustand

schmerzvollen Leids getrieben.

Als der junge Herr ihre

wunderbare Makellosigkeit erkannte,

mit der sie über alle Maße ausgezeichnet war,

da schloss er sie fest in sein Herz  

Donnerstag, 15. April 2021

14630-14639

ouch lûhte manic edel stein

ûz ir küniclichen wât.

si truoc den besten ziclât,

der ie von golde wart gebriten,

und was ze wunsche der gesniten

nâch ir lîbe wol gestalt.

diu sælde was sô manicvalt,

der ein wunder an ir lac,

daz ich mit rede niht enmac

ir lop entsliezen noch gezeln,


Auch blitzten viele Edelsteine

aus ihrer königlichen Kleidung hervor.

Sie trug den besten golddurchwirkten Seidenstoff,

der je aus Gold gewebt worden war,

und er war perfekt nach ihrem 

wohlgeformten Körper geschnitten.

Das göttliche Heil war so vielfältig

ihr zugute gekommen,

dass ich mit Worten ihre Würdigung

weder darlegen noch umfassend erzählen kann;