Dienstag, 16. Januar 2024

19250-19259

man seit mir, daz er phlæge

witz unde grôzer wîsheit.

an in was rîlich kunst geleit,

daz er beschouwen dicke liez.

Eufebius der herre hiez,

als ich in hôrte nennen.

er kunde wol erkennen

daz niuwe und ouch daz virne

und kôs an dem gestirne,

swaz künftic was den liuten.


Man hat mir erzählt, dass er 

klug und weise war.

Und die außerordentliche Weisheit, die ihm gegeben war,

zeigte er oft – und ließ sie bestaunen.

Eufebius 

war sein Name.

Er erkannte genau,

was neu war und was vergangen,

und am Himmel erkannte er,

was den Menschen in der Zukunft geschehen werde. 

Montag, 15. Januar 2024

19240-19249

swer sînen herren warnet niht

vor schedelicher riuwe,

der brichet sîne triuwe

und sîne hôhe stætekeit,

dâ von mir iuwer schande leit

und iuwer schade wære.

seht, herre tugentbære,

jô het ich einen vater balt,

der was wol hundert jâre alt,

ê daz er tôt gelæge.


Jeder, der seinen Herrn 

nicht vor unheilvollem Unglück warnt,

der beweist seine Treulosigkeit

und seinen großen Mangel an Rechtschaffenheit.

Eure Schande und euer Schaden

täte mir leid.

Ach, tugendhafter Herr, seht:

Ich hatte einen tapferen Vater,

der gut hundert Jahr alt war,

als er gestorben ist.

Donnerstag, 11. Januar 2024

19230-19239

des truoc er bî der stunde

swær unde bitter ungemach.

der selbe zuo dem künige sprach,

als der vil schône reden kan:

›herr, ich bin iuwer dienestman,

der iuch vor schaden behüeten sol.

ich weiz daz unde erkenne wol,

daz ich an allen sachen

muoz iuwer êre bewachen

vor lasterlicher ungeschiht.


das bereitete ihm 

schweres, bitteres Leid.

Er, der gut zu reden wusste,

sagte zum König:

»Herr, ich stehe in eurem Dienst

und es ist meine Aufgabe, euch vor Schaden zu schützen.

Ich bin mir bewusst und weiß genau,

dass ich euer Ansehen

stets vor Unglück und Schande

bewahren muss. 

Mittwoch, 10. Januar 2024

19220-19229

sîn rede in allen worhte

manheit und ellentrîchen muot.

sîn rât die ritter dûhte guot

und sînen vater ûz erwelt.

dâ von Pârîs der junge helt

wart bereit ûf eine vart.

der rede doch betrüebet wart

ein herre, der hiez Panthus.

daz Trôilô gevolget sus

wart von ir aller munde,


Seine Rede brachte ihnen allen

männliche Tugend und ein kämpferisches Gemüt.

Sein Rat schien den Rittern richtig und gut zu sein,

auch seinem edlen Vater.

Deshalb bereitete sich Paris, der junge Held,

auf die Reise vor.

Einen Herren jedoch, namens Panthus,

machte die Rede traurig.

Dass sie sich alle dafür aussprachen,

Troilus’ Vorschlag zu folgen,

Dienstag, 9. Januar 2024

19210-19219

mit worten bringet wol ein her
und ez ûf strît kan reizen
mit rede und mit geheizen,
die werlich unde vrevel sint.
des hôchgebornen künges kint,
daz Trôilus genennet was,
geschuof, daz manger an sich las
sîn herze und sîn gemüete wider,
daz in gevallen was dernider
von zegelicher vorhte.

mit bloßen Worten ein ganzes Heer mobilisieren
und mit starken, wehrhaften und mutigen
Reden und Befehlen
zum Kampf ansporen kann.
Troilus,
das Kind des hochadligen Königs,
hatte dafür gesorgt, dass viele
sich wieder ein Herz gefasst haben und ihren Mut,
den sie durch Zagheit und Furcht
verloren hatten, wiedergefunden haben.

Montag, 8. Januar 2024

19200-19209

dar ûf Pârîs genendic

mit herzen und mit lîbe wart.

si jâhen, daz sîn übervart

gar nütze wære in allen.

ir muot der was gevallen

gemeinlîch ûf den einen sin,

daz er ze Kriechen solte hin

dô schiffen âne widerstrît.

hie wart bewæret bî der zît,

daz ein frecher man ze wer


die Paris mit ganzem Leib und 

ganzer Seele herbeisehnte.

Sie bekräftigten, dass seine Überfahrt

für sie alle vorteilhaft sei.

Gemeinsam hatten sie sich 

dafür entschieden,

dass er ohne weitere Diskussion

über das Meer nach Griechenland ziehen solle.

Man sieht daran, 

dass ein kühner Mann

Freitag, 5. Januar 2024

19190-19199

die wir hie lîden alle tage.‹

Diu rede manlich unde quec

treip alle zageheit enwec,

die manger hete an sich genomen.

ze frechem muote widerkomen

die ritter wâren drâte.

daz schuof mit sînem râte

der ellentrîche Trôilus.

het er geredet niht alsus,

diu reise wære wendic,


unter der wir hier die ganze Zeit schon leiden.«

Diese männliche, mutige Rede

vertrieb die ganze Furcht und Ängstlichkeit,

die viele ergriffen hatte.

Schnell waren die Ritter

wieder mutig gestimmt.

Das schaffte mit seinen Ratschlägen

der tapfere Troilus.

Wenn er nicht derart gesprochen hätte,

wäre die Fahrt verhindert worden,