Mittwoch, 10. Januar 2024

19220-19229

sîn rede in allen worhte

manheit und ellentrîchen muot.

sîn rât die ritter dûhte guot

und sînen vater ûz erwelt.

dâ von Pârîs der junge helt

wart bereit ûf eine vart.

der rede doch betrüebet wart

ein herre, der hiez Panthus.

daz Trôilô gevolget sus

wart von ir aller munde,


Seine Rede brachte ihnen allen

männliche Tugend und ein kämpferisches Gemüt.

Sein Rat schien den Rittern richtig und gut zu sein,

auch seinem edlen Vater.

Deshalb bereitete sich Paris, der junge Held,

auf die Reise vor.

Einen Herren jedoch, namens Panthus,

machte die Rede traurig.

Dass sie sich alle dafür aussprachen,

Troilus’ Vorschlag zu folgen,

Dienstag, 9. Januar 2024

19210-19219

mit worten bringet wol ein her
und ez ûf strît kan reizen
mit rede und mit geheizen,
die werlich unde vrevel sint.
des hôchgebornen künges kint,
daz Trôilus genennet was,
geschuof, daz manger an sich las
sîn herze und sîn gemüete wider,
daz in gevallen was dernider
von zegelicher vorhte.

mit bloßen Worten ein ganzes Heer mobilisieren
und mit starken, wehrhaften und mutigen
Reden und Befehlen
zum Kampf ansporen kann.
Troilus,
das Kind des hochadligen Königs,
hatte dafür gesorgt, dass viele
sich wieder ein Herz gefasst haben und ihren Mut,
den sie durch Zagheit und Furcht
verloren hatten, wiedergefunden haben.

Montag, 8. Januar 2024

19200-19209

dar ûf Pârîs genendic

mit herzen und mit lîbe wart.

si jâhen, daz sîn übervart

gar nütze wære in allen.

ir muot der was gevallen

gemeinlîch ûf den einen sin,

daz er ze Kriechen solte hin

dô schiffen âne widerstrît.

hie wart bewæret bî der zît,

daz ein frecher man ze wer


die Paris mit ganzem Leib und 

ganzer Seele herbeisehnte.

Sie bekräftigten, dass seine Überfahrt

für sie alle vorteilhaft sei.

Gemeinsam hatten sie sich 

dafür entschieden,

dass er ohne weitere Diskussion

über das Meer nach Griechenland ziehen solle.

Man sieht daran, 

dass ein kühner Mann

Freitag, 5. Januar 2024

19190-19199

die wir hie lîden alle tage.‹

Diu rede manlich unde quec

treip alle zageheit enwec,

die manger hete an sich genomen.

ze frechem muote widerkomen

die ritter wâren drâte.

daz schuof mit sînem râte

der ellentrîche Trôilus.

het er geredet niht alsus,

diu reise wære wendic,


unter der wir hier die ganze Zeit schon leiden.«

Diese männliche, mutige Rede

vertrieb die ganze Furcht und Ängstlichkeit,

die viele ergriffen hatte.

Schnell waren die Ritter

wieder mutig gestimmt.

Das schaffte mit seinen Ratschlägen

der tapfere Troilus.

Wenn er nicht derart gesprochen hätte,

wäre die Fahrt verhindert worden,

Donnerstag, 4. Januar 2024

19180-19189

wer solte an ritters muote

sîn durch phaffen tröume laz?

manheit stât werden mannen baz

danne ein gar verzagter lîp.

an tröume sol ein altez wîp

gelouben unde ein ritter niht.

ich hân des rîche zuoversiht,

vert Pârîs in der Kriechen lant,

daz wir gerechen alzehant

daz laster und die grimme clage,


Wer will schon seine ritterliche Gesinnung

wegen der Träume von Priestern aufgeben?

Männlichkeit steht edlen Männern besser

als ein Leben in Feigheit. 

Alte Frauen mögen an Träume glauben,

ein Ritter tut das nicht.

Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir,

wenn Paris in das Land der Griechen zieht, 

bald

die schreckliche, jämmerliche Schande rächen, 

Mittwoch, 3. Januar 2024

19170-19179

sîn valsche prophêtîe

kan niht erwenden unser heil.

sint alle frœlich unde geil!

uns mac gelingen harte wol.

Pârîs mîn bruoder kêren sol

ze Kriechen, als er hât geseit,

sô wirt gerochen unser leit

und manic schade widertân,

den wir dâ her geliten hân

an liuten unde an guote.


Seine falsche Prophezeiung

kann unser Glück und Heil nicht verhindern.

Seid alle froh und munter:

Wir haben jede Aussicht auf Erfolg!

Mein Bruder Paris soll

zu den Griechen ziehen, wie er gesagt hat,

dann wird unser Leid gerächt

und mancherlei Schaden wiedergutgemacht,

den wir bisher erlitten haben

an Menschen und Besitz.

Dienstag, 2. Januar 2024

19160-19169

im ist von einer wirtschaft

ze redene baz gemæze.

ein phaffe lieber æze

stark unde veste mursel,

denn er ze kamphe würde snel

unde ûf ritterlichen strît.

ir herren, daz ir sælic sît!

swaz Helenus mîn bruoder seit,

daz ist vil gar ein üppikeit

und ein lâchenîe.


Vom Essen und Trinken mag er reden –

damit kennt er sich aus!

Ein Priester isst lieber

schöne und frische Leckerbissen

als sich in einen Krieg zu wagen

und in eine ritterlichen Kampf.

Ihr Herren, möge das Glück mit euch sein!

All das, was mein Bruder Helenus gesagt hat,

ist völlig lächerlich;

das sind nur Zaubertricks.