Donnerstag, 20. Januar 2022

15840-15849

sus wart ir munt heiz als ein kol

von im geküsset denne.

ouch kuste er eteswenne

ir hende lûter unde weich.

er lêrte singen einen leich

die clâren küniginne.

dâ wart Achilles inne

gerüemet bî der stunde.

er selbe von ir munde

mit sange wart geprîset.


wurde ihr Mund von ihm dann 

so heiß wie ein Stück glühender Kohle geküsst. 

Auch küsste er manchmal

ihre reinen, weichen Hände.

Er lehrte die strahlende Königin, 

einen Leich zu singen.

Dafür wurde Achill 

dann gepriesen.

Er selbst wurde durch ihren Mund

mit Gesang gelobt.

Dienstag, 18. Januar 2022

15830-15839

daz im ir cleinen vinger wîz

ze râme kæmen eteswie

und er gedrücken möhte die

nâch sînes herzen luste.

güetlichen er si kuste

ze miete und z’einem lône,

sô si geharpfet schône

und lobelichen hæte.

als er ez drumbe tæte,

daz si gelernet hete wol,


dass ihm ihre kleinen, weißen Finger

irgendwie in die Quere kamen

und er sie nach Herzens Lust

drücken konnte.

Gütig küsste er sie

zum Dank und als Belohnung,

wenn sie schön und

löblich auf der Harfe gespielt hatte.

Da er das deshalb tat,

weil sie gut gelernt hatte,  

Montag, 17. Januar 2022

15820-15829

hie mite er si dô seiten spil

begunde lêren alzehant.

dô sich ir lîp des underwant,

dô gienc ez wol ze handen ir.

si wart mit reines herzen gir

wol harpfend, als er wolte.

swenn er si lêren solte

die seiten mit den henden

berüeren unde wenden,

sô leite er dar ûf sînen vlîz,


Also begann er sogleich damit,

ihr das Saitenspiel beizubringen.

Als sie anfing, sich damit zu beschäftigen,

ging es ihr leicht von der Hand.

Sie wurde – mit dem Willen eines reinen Herzens –

eine gute Harfenspielerin, ganz so, wie er es wollte.

Immer wenn er ihr zeigte,

wie sie mit den Händen die Saiten

berühren und greifen sollte,

dann bemühte er sich darum, 

Donnerstag, 13. Januar 2022

15810-15819

und kâmen des beid über ein,

daz er si lêrte künste vil.

er sprach, ›mîn liebe trûtgespil,

ich wil dich underwîsen des,

daz mich dâ lêrte Achilles,

dô wir ein ander wâren bî.

waz lîren unde harpfen sî,

daz solt dû künnen, werdiu fruht.

ich lêre dich sîn die genuht,

wan ich kan ir beider vil.‹


und vereinbarten beide,

dass er sie viele Künste lehren würde. 

Er sagte: »Meine liebe Freundin,

ich will dir das beibringen,

was mich Achill lehrte,

als wir zusammen waren. 

Mit der Leier und der Harfe

solltest du umgehen können, edles Geschöpf.

Ich bringe Dir beides bei,

denn ich kenne mich mit beidem aus.« 

Mittwoch, 12. Januar 2022

15800-15809

den nam diu sælic unde enpfienc

vür guot von im spât unde fruo,

noch het arcwânes niht dar zuo,

daz er mit ir was gemelich.

dô si gefröuten sament sich

ûf der plânîe lange

und von der vogele sange

ein hôchgemüete enpfiengen,

dô kêrtens’ unde giengen

mit ein ander wider hein


die nahm die vom Glück Gesegnete hin

und dachte sich weder morgens noch abends etwas dabei,

vermutete dahinter auch nichts Böses,

dass er so ausgelassen mit ihr umging. 

Nachdem sie lange auf der 

Ebene gemeinsam eine freudvolle Zeit verbracht hatten

und der Gesang der Vögel

in ihnen ein Glücksgefühl ausgelöst hatte,

gingen sie miteinander

zurück, wieder nach Hause, 

Dienstag, 11. Januar 2022

15790-15799

als inneclîche tücke schîn,

daz si wol mohte hân gesehen,

daz im unsanfte was geschehen

von ir und von ir lîbe.

dô was eht einem wîbe

sîn clârez bilde sô gelîch,

daz diu juncfrouwe tugentrîch

getriuwen mohte niht, daz er

ûf si trüeg eines mannes ger.

Swaz schimpfes er mit ir begienc,


zeigte er ihr, was in ihm vorging,

so dass sie sicherlich hätte sehen können,

dass ihm durch sie

Unheil zugefügt wurde.

Da aber sein strahlendes Äußeres

einer Frau so ähnelte,

konnte das tugendhafte Mädchen

nicht auf den Gedanken kommen, dass er 

ihr mit dem Begehren eines Mannes begegnete. 

Ganz egal, welche Späße er mit ihr trieb,

Montag, 10. Januar 2022

15780-15789

und alsô bleich von sender nôt,

daz ez der minne wol geviel.

sîn herze in ungemüete wiel

unde in grimmer nœte starc,

daz er mit rede alsô verbarc,

daz si niht mohte wizzen,

daz er sô gar verflizzen

was ûf ir minne tougen.

er tet ir mit den ougen

und mit der wîzen hende sîn


so rot und so bleich,

dass die Liebe ihre Freude daran hatte.  

Sein Herz wurde von Kummer bewegt

und von schlimmer, heftiger Qual,

weil er, damit sie es nicht erfuhr,

mit Worten verborgen hielt,

dass er mit Haut und Haaren

heimlich in Liebe zu ihr entbrannt war.

Mit den Augen 

und mit seinen weißen Händen